Im Europäisches Hansemuseum stellte der Historiker Lars Frühsorge eine provokante Leitfrage in den Mittelpunkt seines Vortrags: Lässt sich die Geschichte der Hanse auch als Kolonialgeschichte verstehen? Die Präsentation fand im Rahmen der 141. Jahrestagung des Hansischen Geschichtsvereins im Mai 2026 statt.
Ausgehend von neueren Forschungsansätzen hinterfragt Frühsorge die traditionelle Sicht auf die Hanse als reines Handelsnetzwerk. Stattdessen rückt er Machtasymmetrien, wirtschaftliche Dominanz und kulturelle Einflussnahme in den Fokus. In den Handelsbeziehungen und Niederlassungen der Hanse – etwa in Nordeuropa und im Ostseeraum – lassen sich demnach Strukturen erkennen, die Parallelen zu kolonialen Praktiken aufweisen.
Der Vortrag diskutiert, inwiefern hansische Kaufleute und Städte wirtschaftliche Abhängigkeiten schufen und lokale Märkte sowie politische Entscheidungen beeinflussten. Gleichzeitig wird betont, dass sich diese Formen der Expansion nicht eins zu eins mit späteren kolonialen Imperien vergleichen lassen, sondern in ihrem historischen Kontext differenziert betrachtet werden müssen.
Damit eröffnet der Beitrag eine neue Perspektive auf die Hansegeschichte: Sie erscheint nicht nur als Erfolgsmodell mittelalterlichen Handels, sondern auch als komplexes Geflecht von Macht, Einfluss und wirtschaftlicher Durchsetzung.
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