Eine Kombination aus IBM-Schreibmaschine, Rechenautomaten und Relaissteuerung – und ein Restaurierungsprojekt, das zeigt, was Technikgeschichte wirklich bedeutet: Der Friden Computyper B
Vor dem Computer: Die Ära der Fakturiermaschinen
Lange bevor Computer Einzug in Büros hielten, gab es Maschinen, die kaufmännische Routineaufgaben automatisierten. Bereits ab 1935 war in Deutschland etwa die Rheinmetall Fakturiermaschine im Einsatz – ein mechanisches System, das Multiplikationen, Produktsummen, Zwischen- und Endsummen sowie prozentuale Ab- und Aufschläge wie Skonto und Mehrwertsteuer direkt in ein Rechnungsformular drucken konnte. Eingabe über Schreibmaschinentastatur, Ausgabe direkt ins Formular: für damalige Verhältnisse ein enormer Effizienzgewinn.
Der Friden Computyper B: Drei Maschinen in einer
Der Friden Computyper B aus dem Jahr 1955 ist ein bemerkenswertes Stück Technikgeschichte. Er vereint drei eigenständige Geräte: eine IBM-Schreibmaschine vom Typ B, einen Friden Rechenautomaten STW 10 und eine Relaissteuerung. Zusammen ergeben sie eine Maschine, die kaufmännische Berechnungen mechanisch-elektrisch ausführte – ein früher Vorläufer integrierter Bürosysteme.
Ein Restaurierungsprojekt mit Geschichte
Vor über 45 Jahren erhielt der Autor die technischen Innereien eines solchen Computypers geschenkt. Ein Abend im Computermuseum der Stuttgarter Informatik über Friden-Rechenmaschinen weckte den Ehrgeiz, die Maschine wieder zum Leben zu erwecken. Das Video zeigt, wie weit die Restaurierung bislang gediehen ist, erläutert die mathematische Architektur des Geräts – und enthüllt eine kuriose Eigenheit: Es gibt eine Anwendung, bei der die Multiplikation einer Zahl mit 0 nicht das Ergebnis 0 liefert.
Der Friden Computyper B steht exemplarisch für eine Epoche, in der mechanische Ingenieurskunst und frühe Elektrotechnik zusammenwuchsen, um Büroarbeit zu rationalisieren. Das Computermuseum der Stuttgarter Informatik macht solche Geschichten sichtbar – und zeigt, wie viel Erfindungsgeist in den Maschinen steckt, die der digitalen Revolution vorausgingen.
Mehr unter: www.f05.uni-stuttgart.de/informatik/fachbereich/computermuseum/




