Doron Rabinovici: Jüdisches Leben nach dem siebenten Oktober. Mitschnitt der Diskussion im KULTUM

Mit einer Lesung und einem anschließenden Gespräch setzte das KULTUM am 10. Juni 2026 ein Zeichen gegen Antisemitismus und gesellschaftliche Gleichgültigkeit. Im Mittelpunkt stand der Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici, der aus seinem Essay „Jüdisches Leben nach dem Siebenten Oktober“ las. Darin beschäftigt er sich mit den Folgen des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 und dessen Auswirkungen auf jüdisches Leben weltweit.

Aus rechtlichen Gründen ist die Lesung selbst nicht online verfügbar. Das aufgezeichnete Gespräch im Anschluss dokumentiert jedoch eindringlich Rabinovicis Analyse der aktuellen Gewalteskalation im Nahen Osten sowie seine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Erscheinungsformen des Antisemitismus.

Dabei sprach Rabinovici über das Wesen des Zionismus, die zunehmende Polarisierung der Debatten und die Gefahren, denen der Staat Israel gegenwärtig ausgesetzt sei. Besonderes Augenmerk legte er auf Boykottaufrufe gegen israelische Künstlerinnen und Künstler innerhalb der internationalen Kulturszene. Kritisch hinterfragte er kulturelle Ausschlussmechanismen und warnte vor einer Ächtung jüdischer Stimmen im öffentlichen Diskurs.

Ein weiterer Schwerpunkt war seine Analyse eines linken Antisemitismus, den er historisch bis in die Zeit der Aufklärung und der Französischen Revolution zurückverfolgte. Dabei verwies er auf die Widersprüche eines Gleichheitsbegriffs, der zwar universelle Rechte proklamiere, zugleich aber Unterschiede und Minderheitenidentitäten ausgrenze. Auch die Überlegungen von Hannah Arendt zum Verhältnis von Aufklärung und Antisemitismus fanden Eingang in die Diskussion.

Rabinovici erinnerte zudem an die zahlreichen antisemitischen Übergriffe, Anschläge und Ausschreitungen, die in Europa, Nordamerika und Australien nach dem 7. Oktober 2023 registriert wurden. Besonders eindringlich setzte er sich mit der Verwendung des Begriffs „Genozid“ im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg auseinander und analysierte dessen politische und moralische Aufladung in gegenwärtigen Debatten.

Für viele Jüdinnen und Juden sei nach dem Hamas-Angriff nicht nur das Ausmaß der Gewalt erschütternd gewesen, sondern auch die Gleichgültigkeit, mit der vielerorts auf die Massaker reagiert worden sei. Rabinovici betonte zugleich, dass Mitgefühl für die israelischen Opfer und Trauer über die zahlreichen zivilen Todesopfer in Gaza einander nicht ausschließen. Sein Essay versteht sich als Plädoyer gegen Judenhass und pauschale Feindbilder sowie als Versuch, der Trauer und dem Leid aller Betroffenen eine Stimme zu geben.

Mehr unter: kultum.at

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