Nicht alles ist Mozart, was glänzt: Eine musikalische Fälschungsgeschichte

Ein Violinkonzert, eine erfundene Widmung und ein Schwindel, der erst Jahrzehnte später aufflog – die Musikgeschichte hat ihre ganz eigenen Krimis.

Mozart als Marke – und als Versuchung

Die Musikgeschichte ist voller Fälschungen, geklauter Melodien und sogar vollständig frei erfundener Komponistinnen und Komponisten. Wo Mozart draufsteht, muss längst nicht Mozart drin sein – das beweist das Violinkonzert in D-Dur (KV Anh. C 14.05) auf vergnügliche wie lehrreiche Weise.

Ein „neu entdecktes” Werk – frei erfunden

Im Jahr 1931 arrangierte der französische Musiker Marius Casadesus einige Mozart-Fragmente zu einem vollständigen Violinkonzert. Doch statt das Werk unter eigenem Namen zu veröffentlichen, präsentierte er es als sensationellen Fund: eine bislang unbekannte Komposition des zehnjährigen Wolfgang Amadé Mozart. Die Geschichte, die er dazu erfand, war ebenso charmant wie dreist: Das Konzert soll am Versailler Hof entstanden sein und Prinzessin Adelaide gewidmet worden sein – von ihrem, so die erfundene Formulierung, „sehr ergebenen und sehr kleinen Diener”.

Der Schwindel fliegt auf – durch Geldgier

Jahrzehntelang galt das Werk als echte Mozart-Entdeckung. Erst 1977 kam die Wahrheit ans Licht – und ausgerechnet durch einen Urheberrechtsstreit. Denn auf die Tantiemen, die mit dem populären Konzert verbunden waren, wollte Casadesus dann doch nicht verzichten. Wer Urheberrechte geltend macht, muss sich als Urheber zu erkennen geben – und so flog der jahrzehntelange Schwindel auf.

Eine Fälschung mit Nachklang

Die Geschichte des „Adelaide-Konzerts” ist kein Einzelfall, aber ein besonders gut dokumentierter. Sie wirft Fragen auf, die bis heute aktuell sind: Wie entsteht musikalische Autorschaft? Was macht ein Werk wertvoll – die Noten oder der Name darauf? Und wie viel Mozart steckt eigentlich in einem Werk, das Mozart sein will?

Mehr unter: www.onb.ac.at

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