Camera obscura, Fernrohr, Lupe – und eine Stadt in atemberaubender Klarheit: Ein Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Canaletto & Bellotto” beleuchtet, wie optische Instrumente die Wiener Veduten des 18. Jahrhunderts prägten.
Bernardo Bellotto (1722–1780), Neffe und Schüler des venezianischen Stadtmalers Giovanni Antonio Canal, trat wie sein berühmter Onkel unter dem Namen Canaletto auf – und schuf mit seinen Wiener Veduten einige der bedeutendsten Stadtansichten des 18. Jahrhunderts. Was macht diese Bilder so außergewöhnlich präzise? Und welche Rolle spielten dabei die neuen optischen Instrumente des Zeitalters der Aufklärung?
Diesen Fragen widmet sich der Vortrag von Mateusz Mayer „Bellottos teleskopischer Blick auf Wien” im Rahmen des Begleitprogramms der Sonderausstellung „Canaletto & Bellotto” im Kunsthistorischen Museum Wien. Die Forschung hat für den Stil des berühmten Onkels den Begriff des „teleskopischen Blicks” geprägt – jene Methode, die Stadt mithilfe von Camera obscura, Fernrohr und Lupe mit besonderer Genauigkeit zu erfassen. Mayer überträgt dieses Konzept auf Bellotto und fragt, wie der Schüler diese Technik für seine Wiener Ansichten weiterentwickelte.
Im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft wird dabei deutlich, wie sehr Bellottos Bilder vom Geist der Aufklärung durchdrungen sind: Architektur und Topografie erscheinen in enormer Klarheit, während das soziale Leben Wiens in Figuren eingefangen wird, die mit beinahe ethnografischer Genauigkeit wiedergegeben sind.
Die Ausstellung „Canaletto & Bellotto” ist noch bis 6. September 2026 im Kunsthistorischen Museum Wien zu sehen.
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