
Digital Lecture Series | Grenzen in Bewegung und territoriale Souveränität
21. Juli | 10:00
Grenzen ohne Karte: Wie Migrationsrecht neu gedacht werden muss
Rechtswissenschaftlerin Ayelet Shachar zeigt in der Digital Lecture Series, wie sich Grenzen von der Landkarte gelöst haben – und welche rechtlichen Antworten dem entgegenstehen könnten.
Eine Grenze, die sich verschiebt
Grenzen sind längst nicht mehr das, was sie auf der Landkarte zu sein scheinen. Immer häufiger werden sie ins Innere eines Landes oder weit vor seine äußeren Ränder verlagert – mit weitreichenden Folgen für Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten. Diese tiefgreifende Veränderung im Verhältnis von Recht, Territorium und Mobilität steht im Mittelpunkt der neuen Folge der Digital Lecture Series „Menschenrechte als letzte Utopie? Migration und jüdische Geschichte”.
Rechtliche Strategien hinter der Entgrenzung
Ayelet Shachar, Professorin für Rechtsvergleichung an der University of California, Berkeley, und 2026 Gastprofessorin an der Harvard Law School, analysiert, welche juristischen Mechanismen diese Entwicklung ermöglicht haben. Ihr Blick richtet sich auf die Strategien, mit denen Staaten Grenzkontrolle von der geografischen Grenzlinie ablösen und in neue Räume verschieben – mit dem Ergebnis, dass Schutzansprüche von Menschen unterwegs immer schwerer durchzusetzen sind.
Menschenrechtskonforme Lösungen: möglich oder illusorisch?
Häufig wird argumentiert, dass angesichts dieser Entwicklungen menschenrechtskonforme Migrationspolitik schlicht nicht erreichbar sei. Shachar widerspricht dieser Einschätzung. Im Gespräch mit Journalistin Dinah Riese stellt sie konkrete rechtliche Antworten vor, mit denen der gegenwärtige Stillstand in der Debatte überwunden werden könnte – und zeigt, dass juristische Handlungsspielräume größer sind, als oft angenommen.
Geschichte, Gegenwart, Zukunft: Was die Vergangenheit lehrt
Die Reihe stellt die Frage, welche Erfahrungen aus der Geschichte und welche juristischen oder philosophischen Perspektiven helfen können, aktuelle Denkblockaden zu überwinden. Vor dem Hintergrund jüdischer Migrationsgeschichte werden historische Errungenschaften im Flüchtlingsschutz sichtbar – und zugleich, wie sehr diese heute unter Druck geraten sind. Fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutieren in der Reihe gemeinsam mit Dinah Riese, Leiterin des Inlandsressorts der taz, Wege in eine offenere Zukunft. Das Gespräch findet auf Englisch statt.
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