Im Europäisches Hansemuseum widmete sich der Historiker Matthias Puhle einem besonderen Machtinstrument der Hanse: der sogenannten „Verhansung“. Der Vortrag fand im Rahmen der 141. Jahrestagung des Hansischen Geschichtsvereins im Mai 2026 statt.
Unter „Verhansung“ verstand man im späten Mittelalter den Ausschluss von Städten oder Handelspartnern aus dem Hansebund – eine wirtschaftliche Sanktion, die den Zugang zu wichtigen Handelsnetzwerken unterband. Ziel war es, politisches oder wirtschaftliches Fehlverhalten zu ahnden und Druck auf abweichende Akteure auszuüben.
Puhle geht der Frage nach, wie wirkungsvoll dieses Instrument tatsächlich war. Dabei zeigt sich, dass die „Verhansung“ zwar ein bedeutendes Mittel hansischer Politik darstellte, ihre Durchsetzung jedoch oft von den Interessen einzelner Mitgliedsstädte abhing. Uneinigkeit innerhalb des Städtebundes konnte die Wirksamkeit erheblich einschränken.
Der Vortrag zeichnet damit ein differenziertes Bild hansischer Machtstrukturen: Zwischen kollektiven Beschlüssen und lokalen Eigeninteressen wird deutlich, dass die Hanse weniger ein straff organisiertes Machtgefüge als vielmehr ein flexibles Netzwerk mit begrenzten Sanktionsmöglichkeiten war.
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