Farbe, die atmet: Helen Frankenthalers Revolution im Kunstmuseum Basel

Das Kunstmuseum Basel widmet einer der bedeutendsten Vertreterinnen des Abstrakten Expressionismus eine umfassende Schau. Mit ihrer wegweisenden „Soak-Stain“-Technik befreite Helen Frankenthaler die Farbe von der Leinwand und schuf Werke, die bis heute durch ihre emotionale Leuchtkraft bestechen.

Es war ein Moment, der die Kunstgeschichte veränderte: Als Kollegen Helen Frankenthaler in ihrem Atelier besuchten, sahen sie Leinwände, die nicht bemalt, sondern von Farbe förmlich „geflutet“ waren. Frankenthaler legte die unbehandelte, ungrundierte Leinwand direkt auf den Boden und goss stark verdünnte Ölfarbe darauf aus. Diese Technik, bekannt als Soak-Stain (einziehen und flecken), ließ die Farbe tief in das Textil einsinken, statt nur auf der Oberfläche zu liegen. Farbe und Leinwand wurden eins.

Die Balance zwischen Kontrolle und Zufall

Ab den 1960er Jahren erweiterte Frankenthaler ihr Repertoire um Acrylfarben, die selbst bei starker Verdünnung ihre brillante Leuchtkraft behalten. Ihr Werk ist geprägt von einem faszinierenden Spannungsfeld: dem Gleichgewicht zwischen dem bewussten Lenken des Farbflusses und dem mutigen Loslassen, bei dem sich die Pigmente ihren eigenen Weg suchen dürfen.

Dialog mit den Meistern

Eine Besonderheit der Basler Ausstellung ist die Gegenüberstellung von Frankenthalers Werken mit ihren kunsthistorischen Inspirationsquellen. Schon früh prägten Museumsbesuche und Reisen ihre künstlerische Vision. In Basel lässt sich nun nachvollziehen, wie sie beispielsweise die Farbwelt von Claude Monet – dessen Werke sie vermutlich bei einem Besuch in Basel selbst studierte – aufgriff und in die Abstraktion überführte. Sie betonte damit, dass die Wurzeln der modernen Abstraktion bereits bei den Impressionisten liegen.

Ein immersives Farberlebnis

Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel lädt dazu ein, in die monumentalen Formate Frankenthalers einzutauchen. Es geht nicht nur um das Betrachten, sondern um das Spüren der Emotionalität, die von den weiten Farbfeldern ausgeht. Frankenthaler hat die Malerei nicht nur reformiert – sie hat sie für das Licht und den Raum geöffnet.

Mehr unter: kunstmuseumbasel.ch

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