
Lucian Scherman Lecture mit Dr. Patrick Felix Krüger: Religion(en) ausstellen im Spannungsfeld von Kult, Kunst und Museum
12. Mai | 18:00
Lassen sich Religionen ausstellen – und wenn ja, wie? Von dieser Frage ausgehend, beschäftigt sich Dr. Patrick Felix Krüger in seinem Vortrag zunächst mit dem spannungsreichen Verhältnis von Museum und Kirche. Kirchen wandeln sich in Zeiten steigender Kirchenaustritte und rückläufigen Interesses an Gottesdiensten zunehmend zu »musealen« Räumen, sei es durch Entwidmung ganzer Bauten oder das Vorhandensein von liturgischen Objekten, die in der rituellen Praxis keine Funktion mehr haben. Museen hingegen präsentieren immer wieder Ausstellungen mit sakraler Anmutung: Räume, die an Kirchen erinnern, Objekte als Kultbilder, Inszenierungen, die religiöse Erfahrungen suggerieren.
Diese Entwicklungen sind keineswegs beschränkt auf die religiöse und museale Praxis in den säkular geprägten europäischen Gesellschaften. Auch die religiösen Traditionen des Hinduismus und Buddhismus stehen zunehmend im Spannungsfeld zwischen Kult und Kunst. Während Tempel traditionell als aktive Orte religiöser Praxis fungieren und ihre Skulpturen und Bilder Teil lebendiger Rituale sind, werden diese Objekte im musealen Kontext – sowohl in Südasien als auch darüber hinaus – oft aus dem spirituellen Zusammenhang gelöst, als Kunstwerke betrachtet und unter ästhetischen Gesichtspunkten präsentiert. Doch auch hier verschwimmen die Trennlinien: Hinduistische und buddhistische Tempel werden »musealisiert« und inszenieren Kultbilder als Ausstellungsstücke. Zugleich tolerieren Museen die religiöse Verehrung der von ihnen bewahrten Objekte und ermöglichen damit verbundene rituelle Praktiken.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen diskutiert der Vortrag anhand ausgewählter Beispiele Möglichkeiten und Grenzen der Darstellung von Religion(en) mittels Kunstobjekten, Figuren und Bildern. Gleichzeitig stellt er die Frage nach den vielschichtigen Sinngebungen und Deutungen, denen in Kirchen, Tempeln und Museen aufbewahrten, religiös konnotierten Gegenstände unterliegen: Bilder, Skulpturen und religiöse Architektur bedienen sich von alters her visueller Metaphern, um die göttliche Transzendenz innerhalb der jeweiligen Religion fassbar zu machen; andererseits macht ihre Präsentation nach musealen Prinzipien sie auch zu einem Sinnbild für ein Publikum, das nicht (mehr) mit der jeweiligen Religion vertraut ist und stattdessen eine intellektuelle Annäherung sucht.
Der Referent Dr. Patrick Felix Krüger ist Kunst- und Religionshistoriker am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) der Ruhr-Universität Bochum. Im Rahmen des DFG-geförderten SFB 1475 »Metaphern der Religion« forscht er im Teilprojekt »Der Menschenkörper als Metapher des Göttlichen. Anthropomorphismus in den religiösen Traditionen Südasiens«. Weitere Arbeitsschwerpunkte umfassen Kunst und Geschichte des Jainismus, die hinduistischen Kulte des vormodernen Südasiens und die Geschichte und Strukturen missionarischen Sammelns im deutschsprachigen Raum. Er ist Autor von drei Monographien und zahlreichen Aufsätzen und Kurator verschiedener Ausstellungen, darunter zuletzt Jain sein (2022–2023) im Museum Rietberg in Zürich und Missionssammlungen ausgepackt (2025–2026) im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln.
Der Vortrag ist Teil der Lucian Scherman Lectures.
Mehr unter: www.museum-fuenf-kontinente.de
