Bauen für die Macht im Pavillon Le Corbusier, Zürich

Architektur war noch nie unpolitisch. Wer baut, schafft Tatsachen aus Stein und Beton, die Generationen überdauern. Der Pavillon Le Corbusier in Zürich widmet sich nun einem der heikelsten Kapitel der Architekturgeschichte: Der Symbiose von Baukunst und Herrschaft – und mittendrin ein Gigant der Moderne, dessen moralischer Kompass heute mehr denn je zur Debatte steht.

Die Ausstellung „Bauen für die Macht“ beleuchtet jene gefährliche Anziehungskraft, die monumentale Aufträge auf Architekten ausüben und wie diese im Gegenzug die Ästhetik der Macht prägen.

Die Architektur als Machtinstrument

Monumentale Dimensionen, endlose symmetrische Achsen und das Rückbesinnen auf die Formensprache der Antike: Dies sind die Werkzeuge, mit denen Architektur Herrschaft visualisiert.

  • Sichtbarkeit: Bauten für die Macht sollen das Individuum klein und das System gross erscheinen lassen.
  • Kollektivbildung: Der Bauprozess und das fertige Denkmal festigen das Gemeinschaftsgefühl der Beteiligten – oft auf Kosten der Vielfalt.
  • Der Deal: Während Herrscher nach Unsterblichkeit streben, suchen Architekten nach dem „Grossauftrag“, der ihnen Ruhm und ein bleibendes Erbe sichert.

Der Fall Le Corbusier: Visionär oder Opportunist?

Le Corbusier (1887–1965), die Ikone der Moderne, bildet das Zentrum dieser kritischen Untersuchung. Die Ausstellung zeigt ein ambivalentes Bild des Meisters:

  1. Neuordnung der Welt: In der Zwischenkriegszeit entwarf Le Corbusier städtebauliche Visionen, die nicht weniger als eine radikale Neuordnung der Gesellschaft zum Ziel hatten.
  2. Flirt mit der Diktatur: Auf der Jagd nach der Umsetzung seiner Grossprojekte liess Le Corbusier wiederholt die nötige Distanz zum Faschismus vermissen. Sein Pragmatismus bei der Suche nach Auftraggebern macht seine faszinierenden Entwürfe heute zu verstörenden Dokumenten der Zeitgeschichte.
  3. Das Erbe: Seine Konzepte reihen sich ein in eine Tradition, die Architektur nicht als Dienst am Menschen, sondern als Formung der Masse begreift.

Mehr unter: museum-gestaltung.ch

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