Das Comeback einer Ikone: Marisol im Kunsthaus Zürich

In den 1960er-Jahren war sie der Star der New Yorker Kunstszene, oft in einem Atemzug mit Andy Warhol genannt – und doch geriet sie fast in Vergessenheit. Nun widmet das Kunsthaus Zürich María Sol Escobar (1930–2016), besser bekannt als Marisol, die erste umfassende Retrospektive in Europa. Eine Entdeckungstour zwischen Pop-Art-Glamour und beißender Gesellschaftskritik.

Marisol war eine Ausnahmeerscheinung. Während die männlichen Pop-Art-Kollegen Suppendosen und Comics feierten, schuf sie monumentale, oft lebensgroße Holzskulpturen, die dem Betrachter den Spiegel vorhielten.

Die Handschrift: Holz, Satire und Selbstinszenierung

Marisols Werk entzieht sich jeder einfachen Schublade. Ihre Bildsprache ist eine wilde, aber präzise Mischung aus verschiedenen Einflüssen:

  • Materialmix: Bemaltes Holz trifft auf Alltagsobjekte, Gipsabgüsse und Fundstücke aus der Volkskunst.
  • Satirischer Blick: Mit ihren Figuren sezierte sie gesellschaftliche Rollen, das Familienideal der 60er-Jahre und die Welt der Stars und Sternchen.
  • Das Gesicht der Künstlerin: Charakteristisch für ihr Werk ist die ständige Selbstinszenierung. Marisol nutzte oft ihr eigenes Gesicht oder ihre Hände für ihre Skulpturen, was ihren Arbeiten eine intime, fast psychologische Ebene verleiht.

Zwischen zwei Welten: Pop Art trifft Nouveau Réalisme

Die Ausstellung zeigt eindrücklich, wie Marisol als Brückenbauerin zwischen den Kontinenten fungierte. Ihr Werk sitzt genau an der Schnittstelle zweier großer Strömungen:

  1. US-amerikanische Pop Art: Die Vorliebe für Ikonen, Massenkultur und die Farbe.
  2. Europäischer Nouveau Réalisme: Der Fokus auf das Objekt, die Assemblage und die Verbindung von Kunst und Alltag.

Stimmen zur Ausstellung

Die Ausstellung: Ein internationales Großprojekt

Diese Schau ist das Ergebnis einer beeindruckenden europäischen Kooperation. Das Kunsthaus Zürich hat sich mit Schwergewichten der Museumswelt zusammengetan:

Mehr unter: www.kunsthaus.ch

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