Das gängige Bild der Schweiz ist von idyllischer Friedfertigkeit geprägt. Doch der Schein trügt. Eine neue Ausstellung räumt mit dem Klischee der „verschonten Insel“ auf und zeigt: Der Krieg ist kein Randphänomen, sondern der eigentliche Architekt der modernen Schweiz. Vom Söldnerwesen bis zum Kalten Krieg – die Geschichte der Eidgenossenschaft ist eine Geschichte der Gewalt und ihrer Bewältigung.
Die Schau wirft einen ungeschönten Blick auf die Zeitlinien vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart und hinterfragt, wie Konflikte unsere politischen und sozialen Strukturen zementiert haben.
1. Identität aus Blut und Eisen
Die Schweiz definiert sich oft über Mythen. Doch hinter dem Rütlischwur und dem Gründungsnarrativ stehen handfeste machtpolitische Interessen.
- Interne Zerreissproben: Die Schweiz war selten einig. Konflikte wie der Bauernkrieg von 1653 oder der Sonderbundskrieg von 1847 zeigen, dass der Weg zum Bundesstaat über interne Schlachtfelder führte.
- Machtverschiebungen: Kriege – ob im Inland oder an den Grenzen – verschärften soziale Spannungen und veränderten Geschlechterrollen nachhaltig, wenn die Männer im Feld standen und die Gesellschaft neu organisiert werden musste.
2. Das Geschäft mit dem Krieg: Profiteure der Gewalt
Lange Zeit war der wichtigste „Exportartikel“ der Schweiz der Tod.
- Söldnerwesen: Über Jahrhunderte verdienten Schweizer Eliten massive Summen durch den Verleih ganzer Regimenter an europäische Fürstenhöfe.
- Wirtschaftsfaktor: Auch der moderne Waffenhandel und wirtschaftliche Verflechtungen während des Zweiten Weltkriegs zeigen, dass Neutralität oft auch bedeutete, mit allen Seiten Geschäfte zu machen. Krieg schuf hier nicht nur Zerstörung, sondern auch immensen Reichtum und Klassenkonflikte.
3. Neutralität: Schutzschild oder Strategie?
Das Selbstbild als neutraler Vermittler ist der Kern der Schweizer Aussenpolitik. Die Ausstellung zeigt jedoch, dass Neutralität selten ein passiver Zustand war.
- Handlungsspielräume: Zwischen der latenten Bedrohung im Zweiten Weltkrieg und aktiver Solidarität (Humanitäre Hilfe) wurde die Neutralität immer wieder neu interpretiert, um Sicherheit zu gewährleisten.
- Kollektives Gedächtnis: Dokumente und Videoinstallationen machen deutlich, dass der Krieg in der Schweiz zwar oft „fern“ schien, aber durch Mobilmachungen und die Bunkermentalität tief im Bewusstsein verankert blieb.
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