An der Schwelle der Vergänglichkeit: Caline Aouns prozessuale Kunst

An der Schwelle der Vergänglichkeit: Caline Aouns prozessuale Kunst

Zwischen Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell inszeniert die Künstlerin Caline Aoun unter dem Titel „The Threshold of Impermanence“ eine Welt im ständigen Wandel. Hier entstehen keine statischen Kunstwerke, sondern lebendige Prozesse, die physikalische Kräfte und digitale Datenströme spürbar machen.

Wer die Ausstellung von Caline Aoun betritt, findet sich in einem Raum des Übergangs wieder. Der Titel ist Programm: „The Threshold of Impermanence“ – die Schwelle der Vergänglichkeit. Doch für Aoun bedeutet Vergänglichkeit nicht Verschwinden, sondern permanente Transformation. Ihre Arbeiten sind keine abgeschlossenen Objekte, sondern Zustände in Verhandlung mit ihrer Umgebung.

Vom Elementaren zum Kulturellen

Die Ausstellung erstreckt sich über zwei komplementäre Orte. Im Kunstmuseum steht das Elementare im Fokus: Licht, Wasser, Luft und Gravitation. Der Rundgang beginnt atmosphärisch mit Nässe und Kälte. Monolithische Arbeiten aus Chromstahl erinnern an die Fassade des Museums, doch sie führen ein Eigenleben: Wasser kondensiert auf der Oberfläche, gefriert zu Eis und taut wieder auf. So bildet sich im Laufe der Zeit eine Wasserlache am Boden – das Bild verändert sich mit jedem Augenblick und entzieht sich der klassischen Konservierung.

In der Kunsthalle verschiebt sich der Fokus hingegen auf das Kulturelle und Technologische. Hier geht es um Bildproduktion, Druckerfarben und die Materialität von Datenströmen. Aoun macht das Unsichtbare der digitalen Welt physisch erfahrbar.

Die Wärme des Datenstroms

Ein zentrales Werk der Ausstellung ist ein Kupferblock, in dessen Innerem ein iPad verborgen ist. Während darauf kontinuierlich Daten gestreamt werden – sei es ein YouTube-Video oder GPS-Daten –, erhitzt sich die Hardware. Die Besucher sind eingeladen, den Block zu berühren und die Wärme zu spüren, die durch den Informationsfluss entsteht.

In einer Ära, in der Bilder zunehmend digital, flüchtig und ungreifbar werden, gibt Caline Aoun der Information ihre Körperlichkeit zurück. Die Wärme wird zum Beweis für die Existenz der Daten und macht die Grenze zwischen der virtuellen und der physischen Welt zu einer Zone der Koexistenz.

Produktion: arttv.ch

Mehr unter: kunstmuseum-kunsthalle.ch

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