KI und Nachhaltigkeit: Ein kritischer Realitätscheck im Zeppelin Museum

Künstliche Intelligenz gilt oft als der große „Gamechanger“ im Kampf gegen den Klimawandel. Doch wie nachhaltig ist die Technologie selbst? Im Rahmen der Reihe „OPEN HOUSE! Online“ des Zeppelin Museums Friedrichshafen unterzogen zwei Experten den Hype um KI einer kritischen Analyse – und blickten hinter die glänzende Fassade der Tech-Utopien.

Die Veranstaltung begleitete die aktuelle Wechselausstellung „Bild und Macht“, die sich mit der Macht digitaler Bilder und Algorithmen auseinandersetzt. Im digitalen Raum diskutierten Anne Eiters (Universität Osnabrück) und Rainer Rehak (Weizenbaum Institut/WZB) über die ökologischen, sozialen und ökonomischen Kosten der digitalen Transformation.

Der Mythos der grünen KI

Rainer Rehak, Experte für Digitalisierung und Nachhaltigkeit, eröffnete die Diskussion mit einer Dekonstruktion gängiger Narrative. Zwar werde KI oft als Lösung für effizientere Ressourcennutzung gepriesen – etwa in der Landwirtschaft oder Verkehrssteuerung –, doch die materielle Realität sehe oft anders aus. Rehak verwies auf den enormen Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren sowie den Ressourcenabbau für Hardware, der oft unter prekären Bedingungen im Globalen Süden stattfindet.

Seiner Analyse nach droht die sogenannte „nachhaltige KI“ zu einem „Veränderungsplacebo“ zu werden. Durch Rebound-Effekte würden Effizienzgewinne oft direkt wieder durch gesteigerten Konsum aufgefressen. Statt technischer Lösungen für gesellschaftliche Probleme forderte Rehak eine politische Auseinandersetzung mit den Machtstrukturen, die durch diese Technologien zementiert werden. Technik sei nie neutral, sondern stets in gesellschaftliche Verhältnisse eingebettet.

Zukunft als Geschäftsmodell

Die Philosophin und Forscherin Anne Eiters ergänzte die ökologische Perspektive um eine ökonomische und kulturelle Analyse. Sie beleuchtete die Geschäftsmodelle großer KI-Firmen, die oft Milliardenverluste schreiben und nur durch Risikokapital am Leben gehalten werden. Dieses System funktioniere nur, solange der Glaube an die Unausweichlichkeit einer KI-dominierten Zukunft aufrechterhalten werde.

Eiters warnte vor deterministischen Zukunftsnarrativen, wie sie etwa von Tech-Prominenten wie Elon Musk gepflegt werden. Durch ständige Wiederholung unrealistischer Prognosen – etwa zum autonomen Fahren – verengt sich der gesellschaftliche Vorstellungshorizont. Alternative, nachhaltige Zukünfte geraten aus dem Blick, während sich eine technische Vision als alternativlos etabliert. Ihr Plädoyer: Wir müssen uns den Raum für pluralen Zukunftsentwürfe zurückerobern, statt uns von der Tech-Industrie einen Pfad diktieren zu lassen.

Mehr unter: www.zeppelin-museum.de

Anzeige

Museumskalender

Newsletter