Das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle hat seinen Raum zur Frühbronzezeit völlig neu gestaltet. Warum eine erst 17 Jahre alte Ausstellung weichen musste und wie neue Funde das Bild einer autokratischen Gesellschaft festigen, erklärt Museumsdirektor Harald Meller.
Es ist ein ungewöhnlicher Schritt in der Museumswelt: Bereits 2025 wurde ein Ausstellungsbereich neu eröffnet, der erst 2008 gestaltet worden war. Doch der Erkenntnisfortschritt der letzten 15 Jahre war so gewaltig, dass eine Aktualisierung unumgänglich wurde. Im Zentrum steht die Gesellschaft, die das UNESCO-Welterbe – die Himmelsscheibe von Nebra – hervorbrachte. Um dieses Highlight zu verstehen, muss man die weitreichenden Verbindungen und die soziale Struktur der Zeit zwischen 2800 und 1550 v. Chr. begreifen.
Die Entdeckung der „reichen Frauen“
Lange Zeit war das Bild der Aunjetitzer Kultur von einer rein männlichen Hierarchie aus Kriegern und Fürsten geprägt. Doch aktuelle Grabungen, wie die Hortfunde von Schkopau/Teicha, korrigieren dieses Bild. Erstmals präsentiert das Museum nun auch die „reichen Frauen“ der Frühbronzezeit, deren hoher sozialer Status sich nun auch archäologisch in Form von prachtvollem Schmuck und Beigaben manifestiert.
Von Pömmelte bis Stonehenge
Ein weiterer Meilenstein der Neugestaltung ist die Einbindung der Kreisgrabenlage von Pömmelte. Die Anlage wird aufgrund ihrer rituellen Bedeutung und zeitlichen Parallelen oft als das „deutsche Stonehenge“ bezeichnet und unterstreicht die überregionalen Vernetzungen der damaligen Eliten. Neben rituellen Aspekten beleuchtet die Ausstellung auch die ökonomische Basis: Funde aus Siedlungen wie Schiebzig belegen eine hochspezialisierte Tierzucht und komplexe Wirtschaftskreisläufe, die weit über einfache Bauernhöfe hinausgingen.
An der Schnittstelle zur Weltgeschichte
Symbolisch wird die strikte soziale Hierarchie der Zeit durch ein schwarzes Pyramidion über den Köpfen der Besucher verdeutlicht – ein Verweis auf die Zeitgenossen im fernen Ägypten unter Amenemhet III.. Die Ausstellung macht deutlich: Wir befinden uns an einer Schnittstelle der Menschheitsgeschichte. Die Fürstengräber von Leubingen, Helmsdorf und der spektakuläre Bornhöck zeigen den Übergang von Stammesführern hin zu autokratischen Herrschern, die ihre Macht auf Armeen und eine straff organisierte Versorgung stützten.
Mit fast 1000 Objekten, darunter die erstmals in Originalkonfiguration gezeigte Totenlade von Helmsdorf, bietet der neu gestaltete Raum einen tiefen Einblick in eine Epoche, die weit mehr war als nur der Hintergrund für eine goldene Scheibe.
Eine Thomas Claus Medienproduktion im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, 2026. “Archaeofilm” ist eine geschützte Wort-Bild-Marke des Landes Sachsen-Anhalt (LDA).
Regie: Thomas Claus
Bildgestaltung: Felix Greif
Filmeditor: Alexander Woltexinger
Titelgrafik: Oliver Thomas
Ton: Tobias Engelhard
Bildrecherche: Dr. Anja Lochner-Rechta
Projektkoordination: Dr. Oliver Dietrich, Dr. Tomoko Emmerling
Mehr unter: landesmuseum-vorgeschichte.de





