Professor Harald Meller im Gespräch mit Professor Kristian Kristiansen – Teil 1

Teil 2 des Gesprächs finden Sie hier.

In diesem Interview des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle spricht Professor Harald Meller mit Professor Kristian Kristiansen über dessen beeindruckende akademische Laufbahn und seinen prägenden Einfluss auf die europäische Archäologie.

Hier sind die wichtigsten Stationen und Erkenntnisse aus dem Gespräch:

Frühe Einflüsse und Studium

  • Wurzeln: Kristiansens Interesse an der Archäologie wurde bereits als Junge geweckt, unter anderem durch die Sammlung neolitischer Artefakte seines Großvaters, die dieser auf den Feldern gefunden hatte. Er wusste früh, dass er kein Landwirt werden wollte, sondern die Welt und die Geschichte erkunden möchte.
  • Weg über Bücher: Im Gegensatz zu vielen Kollegen kam Kristiansen nicht primär über Ausgrabungen zur Archäologie, sondern über die Literatur. Er bezeichnet seine wichtigsten „Ausgrabungen“ als jene, die er in den Magazinen der Museen durchgeführt hat, wo er tausende Bronzen studierte und verglich.
  • Akademisches Klima: Sein Studium an den Universitäten von Aarhus und Kopenhagen Ende der 60er Jahre beschreibt er als unstrukturiert und fast chaotisch. Es gab kaum Lehrpläne; man lernte das Handwerk vor allem durch das Schreiben von Essays für Professoren.

Durchbruch und theoretische Modernisierung

  • Der Aha-Moment: Kristiansen wollte das Studium ursprünglich abbrechen, entschied sich aber, das neu eingeführte Bachelor-Examen zu absolvieren. Nach dem Lesen von 20.000 Seiten skandinavischer Archäologie in einem Jahr verstand er plötzlich die Zusammenhänge und beschloss, Archäologe zu werden.
  • Theorie als Schlüssel: Inspiriert von internationalen Werken wie David Clarks Analytical Archaeology und Lewis Binford erkannte er, dass das enorme Wissen nur durch theoretische Modelle sinnvoll strukturiert werden kann. Er setzte sich aktiv für eine Modernisierung des Studiums ein, um mehr Theorie und Anthropologie zu integrieren.
  • Dissertation: Seine Doktorarbeit befasste sich mit Hortfunden der späten Bronzezeit in Dänemark. Ein entscheidender Moment war seine Entdeckung von Gebrauchsspuren (usewear) an Schwertern, was ihn weg von der rein typologischen Chronologie hin zu Fragen der Wirtschaft und sozialen Organisation führte.

Heritage Management (Denkmalpflege)

  • Direktorat (1979–1994): Mit nur 31 Jahren übernahm Kristiansen die Leitung der dänischen archäologischen Denkmalpflege. Sein Ziel war es, die Behörde zu modernisieren und die Kluft zwischen praktischer Denkmalpflege und universitärer Forschung zu schließen.
  • Digitalisierung: Unter seiner Leitung wurde das erste digitale nationale archäologische Archiv der Welt erstellt. Innerhalb eines Jahres digitalisierten 20 Studenten alle Fundstellen und Ausgrabungen Dänemarks. Dies ermöglichte es, Archäologie systematisch in die Landesplanung zu integrieren, was zu einer Verdreifachung der Ausgrabungen führte.
  • Wissenschaftliche Denkmalpflege: Er etablierte das Prinzip, dass jede Restaurierung (z.B. von Megalithgräbern oder Ruinen) auf detaillierten wissenschaftlichen Ausgrabungen und naturwissenschaftlichen Analysen basieren muss.

Rückkehr in die Lehre

  • Ruf nach Göteborg: Trotz seiner erfolgreichen Karriere in der Verwaltung fühlte sich Kristiansen im Herzen immer als Forscher. 1994 nahm er die Professur an der Universität Göteborg an, um sich wieder ganz der Lehre und Forschung widmen zu können.

Kristian Kristiansen gilt heute als einer der Gründerväter der European Association of Archaeologists (EAA) und hat die Archäologie über Dänemark hinaus durch seine theoretischen Arbeiten und seine Vision einer modernen Denkmalpflege maßgeblich geprägt.

Eine Thomas Claus Medienproduktion im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, 2026. “Archaeofilm” ist eine geschützte Wort-Bild-Marke des Landes Sachsen-Anhalt (LDA).

Regie: Thomas Claus
Bildgestaltung: Philip Koepsell
Ton: Sascha Nebelung
Schnitt: Philip Koepsell
Grafik: Oliver Thomas
Lektorat: Dr. Oliver Dietrich, Dr. Tomoko Emmerling, Dr. Anja Lochner-Rechta, Iven Wustrau
Projektkoordination: Dr. Oliver Dietrich, Dr. Tomoko Emmerling

Mehr unter: www.landesmuseum-vorgeschichte.de/

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Museum Angewandte Kunst | Grafik: Bureau Sandra Doeller

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