Wunden, die von innen kommen: Abdulhamid Kircher in den Deichtorhallen Hamburg

Der deutsch-türkische Künstler zeigt in seiner Arbeit „Rotting From Within”, wie Patriarchat und Gewalt Spuren hinterlassen – und wie die Suche nach Nähe und Versöhnung aussehen kann.

Was bleibt, wenn der Vater fehlt? Abdulhamid Kircher, 1996 geboren, hat daraus Kunst gemacht. In den Deichtorhallen Hamburg präsentiert der deutsch-türkische Künstler seine Arbeit „Rotting From Within” – eine fotografisch-installative Auseinandersetzung mit Abwesenheit, Schmerz und dem schwierigen Weg zur Versöhnung. Kircher selbst versteht seine Arbeit als fragmentarisches, lebendiges Familienalbum: kein abgeschlossenes Dokument, ondern ein fortlaufender Prozess des Erinnerns und Suchens.

Die Abwesenheit des Vaters als Projektionsfläche

Im Zentrum von Kirchers Werk steht eine Leerstelle: die Abwesenheit des Vaters. Diese Lücke ist kein bloßes biografisches Motiv, sondern wird zur Sehnsuchts- und Projektionsfläche – ein Ort, auf den sich Fragen nach Männlichkeit, Macht und familiärer Prägung verdichten. Kircher umkreist diese Abwesenheit in analogen Fotografien und raumgreifenden Installationen, die das Unsichtbare sichtbar machen wollen.

Patriarchat, Gewalt und die Möglichkeit von Nähe

„Rotting From Within” – der Titel deutet es an: Es geht um Zerfall, der nicht von außen kommt, sondern von innen. Kirchers Arbeit setzt sich mit den Folgen von Patriarchat und Gewalt auseinander, ohne dabei im Schmerz zu verharren. Die Suche nach Versöhnung und Nähe ist ebenso Teil des Werks wie die Auseinandersetzung mit dem, was Generationen prägt und beschädigt.

Mehr unter: deichtorhallen.de

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