Die iranisch-deutsche Künstlerin Parastou Forouhar zählt zu den prägenden Stimmen der internationalen Gegenwartskunst. Mit ihrer Rauminstallation „Written Room“, die seit 1995 in wechselnden Versionen weltweit realisiert wird, ist eines ihrer zentralen Werke nun erstmals in Österreich zu sehen.
„Written Room“ verwandelt den Ausstellungsraum in ein dichtes Geflecht aus kalligrafischen Zeichen. In aufwendiger Handarbeit überzieht Forouhar Wände und Flächen mit scheinbar lesbarer Schrift, die sich jedoch als fragmentarisch und unverständlich erweist. Selbst für des Persischen Kundige lösen sich die Zeichen in Silben und Wortreste auf. Sprache verliert hier ihre Funktion als Informationsträger und wird zu einem visuellen, rhythmischen Bildraum.
Die Installation thematisiert grundlegende Erfahrungen von Fremdheit, Sprachverlust und kultureller Entwurzelung. Forouhar, die seit 1991 in Deutschland lebt, verarbeitet darin ihre eigene Biografie als Exilantin. Die Schrift wird zum Symbol einer verlorenen und zugleich bewahrten Sprache – ein Erinnerungsraum, der persönliche Geschichte mit universellen Fragen nach Identität und Zugehörigkeit verbindet.
Gleichzeitig eröffnet „Written Room“ einen ästhetischen Raum der Begegnung: Durch die Überfülle der Zeichen und ihre visuelle Wirkung entsteht eine Form übersprachlicher Kommunikation, die kulturelle Grenzen überschreitet und neue Zugänge ermöglicht.
Forouhar, geboren 1962 in Teheran, wurde international vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Gabriele Münter-Preis im Jahr 2025. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine Verbindung aus politischer Reflexion, persönlicher Erfahrung und formaler Klarheit aus und setzen sich konsequent mit Fragen von Freiheit, Menschenrechten und kulturellem Dialog auseinander.
Mehr unter: www.kunstmeile.at




