Sammeln für die Zukunft: Wie die Albertina quasi in Venedig begann und heute global denkt

Die Albertina in Wien blickt auf eine lange Tradition des Sammelns zurück – doch wer war eigentlich die treibende Kraft hinter der berühmten Sammlung? Eine aktuelle Ausstellung beleuchtet die Geschichte des Hauses von den Anfängen in Venedig bis zum globalen Kunsthubs des 21. Jahrhunderts und rückt dabei eine bislang oft übersehene Protagonistin ins Licht: Marie Christine von Habsburg.

Marie Christine – die Mitbegründerin?

Wer den Namen „Albertina” hört, denkt zunächst an Albert von Sachsen-Teschen. Doch eine aktuelle Ausstellung wirft neues Licht auf die Rolle seiner Ehefrau Marie Christine von Habsburg. Die passionierte Künstlerin war nicht nur kunstsinnige Begleiterin, sondern möglicherweise die erste Impulsgeberin für das, was wir heute als Albertina kennen. Ihr ästhetischer Blick und ihre Begeisterung für Kunst legten den Grundstein für eine der bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt.

Von Venedig nach Wien: Die Geburtsstunde der Sammlung

Überraschend für viele: Die Albertina wurde nicht in Wien gegründet, sondern in Venedig. Dort erfolgte die Übergabe der ersten 10.000 Blätter von Dorazzo an das Gründerpaar – der Moment, der als Ursprung der Sammlung gilt. Von diesem Startpunkt aus entwickelte sich ein Kunstschatz, der über Generationen hinweg wachsen sollte. Das Leitmotiv war stets das gleiche: Was ist für die Zukunft relevant? Jede Generation ergänzte den Bestand, stets mit dem Blick zurück auf vergangene Jahrhunderte und dem Kundschafterblick auf die Gegenwart.

Drei Abschnitte, drei Jahrhunderte: Die Ausstellung im Überblick

Die Schau ist in drei Teile gegliedert. Der erste widmet sich dem Gründerpaar und der aristokratischen Sammlung bis ins frühe 20. Jahrhundert. Anfangs stand die Druckgrafik im Mittelpunkt, doch in den 1790er Jahren erfolgte eine entscheidende Erweiterung: die Entdeckung der Zeichnung. Ein großer Erwerb 1796 brachte Meisterzeichnungen von Albrecht Dürer, Hieronymus Bosch, Rembrandt und Peter Paul Rubens in die Sammlung. Später kamen Werke deutscher Romantiker wie Caspar David Friedrich hinzu, französische Positionen von Jacques-Louis David bis Eugène Delacroix und schließlich auch Moderne wie Egon Schiele und Gustav Klimt.


Vom Adelsschatz zum Staatsmuseum: Die Albertina wird öffentlich

Der zweite Abschnitt erzählt von der Wandlung zur staatlichen Institution. 1919, nach dem Ende der Habsburger Monarchie, wurde die Sammlung verstaatlicht und 1920 mit den druckgrafischen Beständen der Hofbibliothek zusammengelegt. So entstand eine Sammlung von damals schon 850.000 Blättern. Doch damit begann auch eine neue Ära: die Öffnung als öffentliches Museum. In den vergangenen 100 Jahren erlebte die Albertina nicht nur bauliche Erweiterungen und einen massiven Zuwachs der Sammlung, sondern entwickelte sich auch zu einem globalen Netzwerk-Knotenpunkt. Heute agiert das Haus als Hub, der Ausstellungen empfängt und in die Welt sendet.

Ein Blick in die Zukunft: Rosa Barbara und das globale Netzwerk

Der dritte Abschnitt fasst das bisher Gesehene in einer zeitgenössischen Arbeit der Künstlerin Rosa Barbara zusammen. In einer filmischen Installation vereint sie die Dimensionen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das Werk ist kein bloßes Ausstellungsende, sondern fließt aktiv in die Sammlung ein und steht damit für das kontinuierliche Sammeln für kommende Generationen. Die Ideen des Gründerpaares – Begeisterung für Kunst zu teilen und möglichst viele Menschen in den Kunstgenuss zu bringen – bleiben auch heute Programm.

Mehr unter: albertina.at

Anzeige

Newsletter