Stellprobe im Belvedere 21: Ein Jahrzehnt Sammlungszuwächse auf einen Blick

Wie tritt eine Ausstellungsarchitektur mit dem Gebäude selbst in Dialog? Heimo Zobernig hat für „Stellprobe” im Belvedere 21 ein Display entwickelt, das die Architektur des Pavillons nicht überspielt, sondern ihr antwortet.

Eine Ausstellung über das Ausstellen selbst

„Stellprobe” im Belvedere 21 Wien ist keine gewöhnliche Ausstellung. Sie fragt, wie Ausstellungsarchitektur entsteht – und wie sie sich zur gegebenen Architektur eines Hauses verhält. Für diese Aufgabe hat Heimo Zobernig ein Display entwickelt, das beide Ausstellungsebenen des Pavillons miteinander verbindet und der bestehenden Architektur ein eigenständiges Gegenüber gibt.

Der Pavillon im Pavillon

Zobernigs Grundidee ist so einfach wie präzise: ein Pavillon im Pavillon. Eine eigenständige Struktur innerhalb eines Gebäudes, das selbst als Pavillon konzipiert ist. Das Display schafft neue Raumverhältnisse, neue Blickachsen und neue Übergänge zwischen innen und außen – ohne die Architektur des Belvedere 21 zu ignorieren oder zu überdecken. Stattdessen entsteht ein Dialog zwischen zwei Ebenen: der historischen Gebäudearchitektur und der temporären Ausstellungsstruktur.

Warum die Ausstellung heißt wie sie heißt

Der Begriff “Stellprobe” stammt aus dem Theater und bezeichnet einen Moment, in dem Bühne, räumliche Setzungen und Schauspieler*innen erstmals zusammenkommen. An dieser Vorläufigkeit orientiert sich die Ausstellung. Gleichzeitig entsteht hier ein Entwurf dafür, die zeitgenössische Sammlung des Belvedere in Zukunft “stehen” könnte.

Über die Ausstellung

Das Belvedere 21 bringt 150 Kunstwerke in einer Schau auf mehreren Ebenen zusammen. Alle Werke der “Stellprobe” sind Erwerbungen oder Schenkungen der vergangenen zehn Jahre. Die Zusammenstellung ist ein Versuch und folgt der Intuition. Sie bespielt das Erdgeschoss, Obergeschoss, Blickle Kino und Garten des Hauses.

Die Ausstellung nimmt den Bestand unter die Lupe, der seit 2017 in die Sammlung kam.

“Wir haben uns vorgenommen, Rechenschaft abzulegen, über ein Jahrzehnt von Sammlungszuwächsen. Wie ist diese Sammlung gewachsen? Um wie viel Stück? Was waren die Schwerpunkte?”_ Stella Rollig, Generaldirektorin und Kuratorin

Der Blick auf die Werke erlaubt, Bilanz zu ziehen und unternimmt gleichzeitig den Versuch eines Blicks in die mögliche Zukunft des Museums und seiner Sammlungsstrategie.

Stellprobe: Zwischen Schwerpunktsetzung und Raumfrage

Nicht alles, was erworben wurde, findet auch Platz. „Natürlich versucht man bestimmte Schwerpunkte zu stärken, die einem auch in der Sammlungstätigkeit wichtig waren”, erklärt Rollig. Doch es gibt auch harte Ausschlüsse, die sich schlicht aus dem Format ergeben. Ganze Rauminstallationen, die das Museum in den vergangenen Jahren erwarb, sprengen den Rahmen einer Gruppenausstellung – sie nehmen schlicht zu viel Raum ein. Die Kuratorin musste also nicht nur auswählen, sondern auch verdichten, aussieben und strategisch planen.

Beide Ebenen, eine Fülle: Das ganze Haus im Blick

Was diese Ausstellung von anderen unterscheidet, ist das Format selbst. Üblicherweise werden die beiden Ebenen des Belvedere 21 getrennt voneinander bespielt. Für eine Sammlungsbilanz-Ausstellung war es jedoch „geradezu notwendig, das ganze Haus in Beschlag zu nehmen”. So entstand eine Schau in schierer Fülle: Werke wurden wieder reingeholt, immer umgeben von einer Fülle von Abbildungen. Das Ergebnis ist eine dichte, übergreifende Präsentation, die das Museum als Gesamtkunstwerk erlebbar macht – eingefasst im Display von Heimo Zobernig.

Kuratiert von Stella Rollig und Luisa Ziaja. Assistenzkuratorinnen: Johanna Hofer und Katarina Lozo

Mehr unter: belvedere.at

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