KI als Material, nicht als Maschine: Miao Ying im Belvedere 21 Wien

Die Künstlerin trainiert eigene KI-Modelle, arbeitet mit Informatikerinnen zusammen und hält dennoch die kreative Kontrolle – ein Gespräch über Technologie, Autorschaft und die Rolle von Künstlerinnen im digitalen Zeitalter.

Eine andere Art, mit KI zu arbeiten

Was bedeutet es, wenn Künstlerinnen und Künstler mit künstlicher Intelligenz arbeiten? Für Miao Ying ist die Antwort klar: KI ist kein Knopf, den man drückt, um Bilder zu generieren. Sie ist ein Material – komplex, unvorhersehbar, gestaltbar. Im Belvedere 21 Wien zeigt die Künstlerin ihre Arbeit „Come, Sit, Stay” und spricht in einem begleitenden Video über ihren ungewöhnlichen Ansatz.

Eigene Modelle, bewusst trainiert

Miao Ying entwickelt und trainiert gemeinsam mit Computerwissenschaftlerinnen und Forscherinnen eigene KI-Modelle – und bestimmt dabei selbst, welche Daten eingespeist werden. Das ist der entscheidende Unterschied zu kommerziellen Werkzeugen, die allen zugänglich sind: Wer am Modelltraining beteiligt ist, trifft grundlegende Entscheidungen über das, was die KI „lernt” und wie sie reagiert. Die Bilder in ihren Werken werden nicht von der KI erzeugt – es ist genau das Gegenteil: Die Künstlerin gestaltet den Prozess, die KI führt aus.

Künstler*innen halten die Fackel

„Es gibt Feuer, aber es gibt eine Richtung, in die man will” – mit diesem Bild beschreibt Miao Ying die Rollenverteilung zwischen Mensch und Maschine. KI wertet Daten aus, trifft aber keine kreativen Entscheidungen. Es sind Schichten von Entscheidungen, die Künstlerinnen und Künstler treffen – und die KI ist das Material, in dem diese Entscheidungen Form annehmen. Wie eine Leinwand, sagt sie.

Technologie annehmen, hinterfragen, kritisieren

Miao Ying sieht ihre Rolle nicht nur darin, neue Möglichkeiten auszuloten, sondern auch darin, Technologie zu kritisieren und im Alltag künstlerischer Praxis zu verankern. KI werde Künstlerinnen und Künstler nicht ersetzen – denn Kreativität sei etwas, das KI nicht habe. Was sie habe, sei die Fähigkeit, Daten auszuwerten. Was sie brauche, seien Menschen, die wissen, wohin die Reise gehen soll.

Mehr unter: belvedere.at

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