42.607 Postkarten, eine Million Strahlen, ein präzises mathematisches System – „Der Sonnenstrahlenmillionär” ist eines der außergewöhnlichsten Langzeitprojekte der österreichischen Gegenwartskunst.
Eine Idee, die 15 Jahre dauerte
Manche Kunstwerke entstehen in Stunden, andere in Jahren. Ingolf Ebelings Werk „Der Sonnenstrahlenmillionär” brauchte mehr als anderthalb Jahrzehnte. Über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren zeichnete der Künstler auf 42.607 Postkarten jeweils eine vierkantige Sonne – jede mit einer individuellen Konstellation von Strahlen, jede Teil eines präzise durchdachten Systems. Das museum gugging präsentiert dieses außergewöhnliche Langzeitprojekt nun der Öffentlichkeit.
Das System hinter der Schönheit
Was auf den ersten Blick wie eine meditative Wiederholung wirkt, folgt einer strengen mathematischen Logik. Die Gesamtzahl aller auf den Postkarten gezeichneten Sonnenstrahlen beträgt exakt eine Million – kein Strich mehr, keiner weniger. Das zugrunde liegende System berücksichtigt sämtliche möglichen Verteilungen von ein bis dreißig Strahlen auf die vier Seiten der Sonne. Jede Postkarte ist damit eine einzigartige Konstellation, die in der Gesamtheit des Werks genau einmal vorkommt. Mathematische Vollständigkeit als künstlerisches Prinzip.
Kunst, Zeit und Ausdauer
„Der Sonnenstrahlenmillionär” ist nicht nur ein Werk über Zahlen und Systeme – es ist vor allem ein Werk über Zeit. Die schiere Dauer des Projekts, die tägliche Disziplin, die es verlangte, und die Langsamkeit, mit der sich die Million Strahlen akkumulierten, machen das Werk zu einem eindrücklichen Zeugnis künstlerischer Ausdauer. Im Interview spricht Ebeling über die Entstehung des Projekts, über das Verhältnis von Mathematik und künstlerischer Freiheit – und darüber, was es bedeutet, 15 Jahre lang an einer einzigen Idee festzuhalten.
museum gugging als passender Rahmen
Das museum gugging, bekannt als internationales Zentrum für Art Brut und künstlerische Außenseiterpositionen, bildet für dieses Werk einen passenden Rahmen: Auch Ebelings Projekt steht für eine Kunst, die eigenen Regeln folgt, sich dem schnellen Kunstmarkt entzieht und in ihrer Konsequenz eine ganz eigene Kategorie bildet.
Produktion: EvilFrog
Mehr unter: www.museumgugging.at/de






