Teil 1 des Gesprächs finden Sie hier.
Die Gründung der EAA: Ein europäischer Meilenstein
Eines der zentralen Themen des Gesprächs ist die Entstehungsgeschichte der EAA. Kristiansen erinnert sich an die Zeit nach dem Mauerfall, als die Vision einer geeinten europäischen Archäologie greifbar wurde. „Es war eine Kombination aus historischen Ereignissen und der Idee, dass wir etwas Europäisches schaffen müssen“, erklärt Kristiansen. Ursprünglich als Projekt für ein europäisches Journal gestartet, entwickelte sich daraus eine Organisation, die heute rund 4.000 Mitglieder zählt und alle archäologischen Bereiche – von der Universität über Museen bis hin zum Denkmalmanagement – vereint.
Drei wissenschaftliche Revolutionen
Kristiansen ordnet die Entwicklung der Archäologie in drei große „naturwissenschaftliche Revolutionen“ ein:
- Die darwinistische Revolution (ca. 1850–1860): Die Entstehung der modernen Geologie und Archäologie, die sich von biblischen Zeitrechnungen löste.
- Die C14-Revolution: Die Einführung der Radiokarbondatierung, die relative Chronologien in absolutes Wissen verwandelte und das Bild des Neolithikums grundlegend veränderte.
- Die dritte Revolution (seit ca. 2010): Die Ära der Archäogenetik (aDNA) und Isotopenanalysen. Laut Kristiansen erleben wir gerade ein „Erdbeben“, das Migrationen, Verwandtschaften und Krankheiten wie die Pest im Neolithikum zweifelsfrei nachweisbar macht.
Migration und Identität: Zurück zum großen Bild
Lange Zeit galt das Thema Migration in der Archäologie als ideologisch belastet und wurde skeptisch betrachtet. Kristiansen betont jedoch, dass die modernen Daten der Genetik alte Theorien rehabilitieren. So seien Wanderungsbewegungen, wie die der Schnurkeramik, heute durch aDNA-Studien faktisch belegt. Er plädiert dafür, Konzepte wie Ethnizität und Herkunftsmythen neu zu theoretisieren, anstatt sie aufgrund historischer Missbräuche zu ignorieren. „Archäologie hat in vielen Fällen zweifelsfrei bewiesen, dass antike Quellen einen Kern Wahrheit enthalten“, so Kristiansen.
Rat an die nächste Generation
Auf die Frage nach einem Rat für Studierende antwortet Kristiansen mit zwei Prinzipien: „Setze niemals alles auf eine Karte“ und „Sei offen für das Unerwartete“. Die Archäologie biete heute ein so breites Spektrum an Spezialisierungen – von der Genetik bis zur Vermittlung –, dass sie wie kaum eine andere Disziplin Raum für unterschiedlichste Talente schaffe. Er betont zudem die Wichtigkeit der Interdisziplinarität: Die besten Ergebnisse entstehen dann, wenn Archäologen und Naturwissenschaftler als gleichberechtigte Partner am Tisch sitzen.
Eine Thomas Claus Medienproduktion im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, 2026. “Archaeofilm” ist eine geschützte Wort-Bild-Marke des Landes Sachsen-Anhalt (LDA).
Regie: Thomas Claus
Bildgestaltung: Philip Koepsell
Ton: Sascha Nebelung
Schnitt: Philip Koepsell
Grafik: Oliver Thomas
Lektorat: Dr. Oliver Dietrich, Dr. Tomoko Emmerling, Dr. Anja Lochner-Rechta, Iven Wustrau
Projektkoordination: Dr. Oliver Dietrich, Dr. Tomoko Emmerling
Mehr unter: www.landesmuseum-vorgeschichte.de/





