Was brachte Menschen über Jahrhunderte dazu, zwischen Kärnten und der Steiermark unterwegs zu sein? Anlässlich der Inbetriebnahme der Koralmbahn widmen das Museum für Geschichte in Graz und das KÄRNTEN.MUSEUM in Klagenfurt der wechselvollen Beziehung beider Bundesländer eine gemeinsame kulturhistorische Ausstellung.
Seit dem 14. Dezember 2025 verbindet die Koralmbahn die Steiermark und Kärnten auf neue Weise. Die moderne Verkehrsverbindung liefert zugleich den Anlass, zurückzuschauen: Denn Menschen, Waren und Wissen bewegten sich bereits lange vor dem Bau moderner Bahnstrecken zwischen den Regionen.
Das Museum für Geschichte in Graz und das KÄRNTEN.MUSEUM in Klagenfurt greifen diese Geschichte in einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt auf. Auf insgesamt rund 800 Quadratmetern an beiden Standorten zeichnet die Schau historische Verbindungen zwischen Kärnten und der Steiermark über einen Zeitraum von rund 1.000 Jahren nach.
Warum Menschen sich auf den Weg machten
Im Zentrum steht eine ebenso einfache wie weitreichende Frage: Warum haben sich Menschen in diesem Raum überhaupt auf den Weg gemacht? Die Antworten darauf strukturieren die Ausstellung.
Menschen waren unterwegs, um zu überleben, Herrschaft auszuüben und Gebiete zu verwalten. Sie reisten, um Handel zu treiben und Arbeit zu finden, um zu forschen und zu lernen – oder schlicht, um Erholung zu suchen. Mobilität erscheint damit nicht allein als Geschichte von Verkehrswegen und technischen Entwicklungen, sondern vor allem als Geschichte menschlicher Bedürfnisse.
Die Ausstellung richtet ihren Blick entsprechend auf ganz unterschiedliche Formen der Bewegung. Wirtschaftliche Interessen und politische Macht spielen dabei ebenso eine Rolle wie Bildung, wissenschaftlicher Austausch und Freizeit.
Wege erzählen Geschichte
Als verbindendes Element dienen die historisch nachweisbaren Wege zwischen den Gebieten der heutigen Bundesländer. Sie bilden gewissermaßen das Rückgrat der Ausstellung und zeigen, wie stark die Entwicklung beider Regionen von Austausch und Mobilität geprägt wurde.
Dabei waren Wege nie nur geografische Verbindungen. Auf ihnen wurden Waren transportiert, Nachrichten und Wissen weitergegeben, politische Herrschaft organisiert und persönliche Beziehungen geknüpft. Wer sich bewegte und welche Möglichkeiten Menschen dafür zur Verfügung standen, erzählt zugleich viel über die gesellschaftlichen Bedingungen der jeweiligen Epoche.
Die Ausstellung betrachtet Mobilität deshalb als kulturhistorisches Phänomen. Sie fragt nicht nur danach, wohin Menschen reisten, sondern auch nach ihren Motiven und danach, wie diese Bewegungen die Beziehungen zwischen Kärnten und der Steiermark beeinflussten.
Die Koralmbahn als neues Kapitel
Mit der Koralmbahn kommt zu den historischen Verbindungslinien nun eine neue hinzu. Was heute als modernes Infrastrukturprojekt erscheint, steht damit in einer langen Geschichte des Unterwegsseins zwischen beiden Regionen.
Dass sich zwei Museen in zwei Bundesländern gemeinsam dieser Geschichte widmen, ist konsequent: Die Ausstellung verteilt sich auf Graz und Klagenfurt und macht die Verbindung zwischen Kärnten und der Steiermark nicht nur zum Thema, sondern auch zum Prinzip ihrer Präsentation.
So wird aus der Eröffnung einer neuen Bahnstrecke der Ausgangspunkt für einen Blick auf 1.000 Jahre Mobilität – und auf die Frage, wie Wege, Reisen und Austausch Regionen miteinander verbinden und verändern.
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