Zeitreisen und Dekonstruktion: Simon Starling liest die Sammlung im Kunst Museum Winterthur neu

Was passiert, wenn ein zeitgenössischer Konzeptkünstler auf die Meister des 19. Jahrhunderts trifft? Im Kunstmuseum erwartet die Besucher eine faszinierende Begegnung zwischen Simon Starling und Adolf Menzel. Eine Ausstellung, die den Blick auf die Sammlung radikal verändert.

Schon beim Betreten der Lobby werden die Besucher von einer rätselhaften Figur begrüßt: Es ist eine Art hybrides Selbstporträt von Simon Starling, das die Proportionen des Künstlers mit einer Maske von Adolf Menzel verbindet. In den Händen hält die Figur Gipsabdrücke von Menzels Händen – eine Hommage an die beidhändige Malfertigkeit des deutschen Meisters.

Der Blick aus dem Fenster: Von 1848 bis zur Pandemie

Das Projekt „R 43“ entstand während der COVID-Pandemie, als die globale Isolation Starling dazu brachte, über Menzels private Ansichten aus seinen Berliner Wohnungen nachzudenken.

  • Vom Hinterhof zum Wohnblock: Eine Ölskizze Menzels von 1848 wurde mittels 3D-Scan ins Unendliche vergrößert. Starling stellt dieser historischen Szenerie den heutigen Ausblick auf einen modernen Wohnblock gegenüber und thematisiert so das Gefühl der Enge und des Wandels.

Gletscher im Wandel der Zeit

Starlings Arbeiten sind oft Zeitreisen. In einem weiteren Teil der Ausstellung kombiniert er frühe Gletscherdarstellungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit seinen eigenen Werken zur aktuellen Gletscherschmelze.

  • Die Reise als Kunstwerk: Die Klimathematik wird hier physisch erfahrbar. Starling legte 320 Kilometer mit dem Fahrrad zurück – vom Archiv der historischen Fotografien bis zum eigentlichen Gletscher.

Ein begnadeter Erzähler

Simon Starling ist mehr als ein Bildhauer; er ist ein Geschichtenerzähler, der tief in die Kultur- und Kunstgeschichte eintaucht. Seine Kunst verbindet reale Reisen im Raum mit intellektuellen Reisen durch die Zeit und schafft so „versponnene Geschichten“, die das Wesen unserer Gegenwart hinterfragen.

Produktion: arttv.ch

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