Das Weltkulturen Museum in Frankfurt am Main setzt ein deutliches Zeichen für Aufarbeitung und Verantwortung: Mit Fördermitteln des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste untersucht das Haus die Provenienz menschlicher Überreste aus Indonesien und Ozeanien. Das sechsmonatige Forschungsprojekt widmet sich elf Individuen, deren Gebeine Anfang des 20. Jahrhunderts im Zuge kolonialer Aneignung nach Frankfurt gelangten.
„Wir wollen diesen besonders sensiblen Teil unserer Geschichte nicht nur wissenschaftlich aufarbeiten, sondern Verantwortung übernehmen“, betont Museumsdirektorin Larissa Förster. Ziel sei es, die Verstorbenen zu rehumanisieren, ihre Herkunftsgeschichten zu rekonstruieren und – wo möglich – eine Rückführung an Nachkommen einzuleiten.
Die Forschungen beleuchten zugleich die kolonialen Netzwerke, in denen Museumsgründer Bernhard Hagen (1853–1919) agierte. Hagen hatte als Arzt auf Plantagen in Neuguinea Zugang zu menschlichen Überresten, die er später dem Frankfurter Museum übergab. Weitere Objekte stammen vom Geografen Wilhelm Volz, dessen Erwerbungen von 1911 ebenfalls untersucht werden.
Das Projekt, geleitet von Josefine Neef und durchgeführt vom Ethnologen Godwin Kornes, trägt zu zentralen Debatten über koloniales Erbe, Restitution und ethische Museumspraxis bei – und steht exemplarisch für den Wandel in der Museumslandschaft hin zu Transparenz, Dialog und Wiedergutmachung.
Mehr unter: www.weltkulturenmuseum.de






