Vasarely & Adrian: Albertina modern zeigt zwei Großmeister der Op-Art im Dialog

Flimmernde Raster, scheinbare Bewegung, optische Täuschung – die Op-Art fordert den Sehsinn heraus wie kaum eine andere Kunstgattung. Die Albertina modern in Wien bringt Victor Vasarely und Marc Adrian erstmals in einer gemeinsamen Schau zusammen.

Sie veränderten, wie wir sehen. Victor Vasarely und Marc Adrian gehören zu den bedeutendsten Vertretern der Op-Art – jener revolutionären Kunstbewegung, die Mitte der 1960er-Jahre die Kunstwelt aufmischte und das menschliche Wahrnehmungssystem selbst zum künstlerischen Material erklärte. Vom 26. Juni bis 8. November 2026 präsentiert die Albertina modern in Wien beide Künstler Seite an Seite – in einem Dialog, der zeigt, wie aktuell und eindrücklich ihre Werke bis heute sind.

Der Ausgangspunkt beider Künstler ist derselbe: die Faszination für die physikalischen Gesetze von Licht und Optik, für Wahrnehmungsphänomene und die Frage, wie Bewegung in der Kunst dargestellt werden kann. Doch ihre Wege sind verschieden – und genau diese Verschiedenheit macht die Gegenüberstellung so reizvoll.

Victor Vasarely: Vom Bauhaus zum Renault-Logo

Victor Vasarely (1906–1997), geboren in Pécs in Ungarn, studierte an der Budapester Kunstschule Műhely in der Tradition des Bauhauses und zog 1930 nach Paris. In den 1940er-Jahren begann er, abstrakte Kompositionen aus geometrischen Formen und Kontrasten zu entwickeln. 1955 formulierte er im programmatischen Gelben Manifest die Grundlagen von Op-Art und kinetischer Kunst. Seine Bildserien wie „Vega” erzeugen scheinbare Bewegung und Tiefenwirkung durch mathematisch aufgebaute Farbsysteme.

Internationale Bekanntheit erlangte Vasarely 1965 mit der bahnbrechenden Ausstellung „The Responsive Eye” im Museum of Modern Art in New York. Sein Einfluss reicht weit über die Kunst hinaus: Für die Olympischen Spiele 1972 in München gestaltete er ein offizielles Plakat, im selben Jahr modernisierte er das Renault-Logo mit der charakteristischen Rautenform – ein Paradebeispiel für die Verbindung von Kunst und Industriedesign.

Marc Adrian: Der Vater der österreichischen Medienkunst

Marc Adrian (1930–2008), in Wien geboren, studierte Bildhauerei bei Fritz Wotruba und schloss sich 1954 der Wiener Gruppe an. Als einziger österreichischer Künstler nahm er 1965 an der „Responsive Eye” teil – neben Vasarely, Josef Albers und Bridget Riley. Seine Hinterglasmontagen, Sprungperspektiven und Computerbilder loteten die Grenzbereiche des Darstellbaren aus. In den 1970er-Jahren verband er Wahrnehmungsforschung mit Kybernetik, konkreter Poesie und Experimentalfilm. Peter Weibel nannte ihn, nicht zu Unrecht, den „Vater der österreichischen Medienkunst”.

Adrians vielgestaltiges Werk, das bis heute nicht in vollem Umfang gewürdigt wurde, ist Ausdruck einer neuen Visualität – und wartet in der Albertina modern auf seine Wiederentdeckung.

Mehr unter: albertina.at

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