
The Forty Part Motet: Eine Bearbeitung von ›Spem in Alium‹ (um 1570) von Thomas Tallis, 2001, Tate Gallery, Leihgabe
von Pamela und Richard Kramlich sowie dem American Fund, © Janet Cardiff, Foto: Wynrich Zlomke
Ab dem 8. August 2026 zeigt das Kunstmuseum Ravensburg eine der wichtigsten Klanginstallationen der Gegenwart: Janet Cardiffs „The Forty Part Motet”. 40 Lautsprecher, 40 Stimmen und ein Stück Renaissance-Musik verwandeln den Museumsraum in ein begehbares Klangkunstwerk – erstmals zu erleben in Baden-Württemberg.
Von der Renaissance in die Gegenwart: Ein Motett wird Installation
Janet Cardiffs raumfüllende Klanginstallation basiert auf einem der monumentalsten Werke der Vokalmusik: „Spem in Alium”, einem 40-stimmigen Motett des englischen Renaissance-Komponisten Thomas Tallis aus dem Jahr 1570. Für ihre Arbeit ließ die 1957 in Kanada geborene Künstlerin das Stück vom Salisbury Cathedral Choir in Südengland interpretieren und nahm es auf insgesamt vierzig einzelnen Tonspuren auf. Daraus entstand 2001 „The Forty Part Motet”, das seither weltweit als Meisterwerk der Klangkunst gilt.
40 Lautsprecher, ein Oval und Sie in der Mitte
Im zweiten Obergeschoss des Kunstmuseums Ravensburg erwartet die Besucher*innen ein besonderes Setting: Vierzig Lautsprecher auf Stativen sind zu einem Oval angeordnet und geben die vierzig Gesangsstimmen synchron wieder. Doch hier endet die Ähnlichkeit mit einem klassischen Konzert. Janet Cardiff hebt die traditionelle Trennung zwischen Bühne und Publikum auf und rückt die Zuhörer*innen mitten ins Geschehen. Ob man sich dem Sopran, Alt, Tenor, Bariton oder Bass nähert – jede Bewegung verändert das Hörerlebnis.
Ein dreidimensionaler Klangraum zum Durchschreiten
Die offene Form der Installation lädt dazu ein, den Raum zu durchqueren und sich zwischen den Stimmen zu bewegen. Wer sich einer einzelnen Singstimme nähert, erlebt Intimität und Klangphänomene, die im Zusammenspiel des Chores untergehen. Wer in die Mitte des Ovals tritt, taucht in das volle polyphone Gewand des Motetts ein. So entsteht ein dreidimensionaler Höreindruck, der sich je nach Standort und Körperbewegung stets neu formt. Cardiff selbst beschreibt ihr Interesse daran, „wie Klang einen Raum auf skulpturale Weise physisch gestalten kann und wie ein:e Betrachter:in einen Weg durch diesen physischen und zugleich virtuellen Raum wählen kann.”
Mehr unter: www.kunstmuseum-ravensburg.de







