Die Deutsche Bank zeichnet die slowakische Künstlerin Lucia Tallová als „Artist of the Year” 2026 aus – und präsentiert ihr Werk erstmals in einer institutionellen Einzelausstellung in Deutschland.
Eine Auszeichnung, eine Premiere
Lucia Tallová, 1985 in der Slowakei geboren, ist die „Artist of the Year” 2026 der Deutschen Bank. Aus diesem Anlass zeigt das PalaisPopulaire in Berlin mit „Moving Clouds” ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland – eine längst überfällige Begegnung zwischen einer der eigenwilligsten Künstlerinnen Mitteleuropas und dem deutschen Ausstellungsbetrieb.
An den Grenzen der Medien
Tallovás künstlerische Praxis bewegt sich an den Schnittstellen von Malerei, Collage, Assemblage und Skulptur. Ihre Installationen wirken wie szenografische Tableaus – raumfüllend, surreal, von atmosphärischer Dichte. Dabei arbeitet sie ausschließlich analog: Papier und Fotografie sind ihre Materialien, Handwerk und Geduld ihre Methode. In einer Zeit, in der digitale Produktion dominiert, ist diese Entscheidung selbst eine Haltung.
Erinnerung, Ideologie, vergessene Frauen
Ihre Werke kreisen um Erinnerung und Ideologie, um Kunstgeschichte und Klima, um das Erbe der Moderne und die Nachwirkungen des Zusammenbruchs des Ostblocks – ein Ereignis, das Tallová als Kind und Teenager in der Slowakei erlebte. Eine feministische Perspektive durchzieht ihr gesamtes Schaffen: Sie spürt vergessenen Geschichten von Frauen nach, entwickelt neue Formen des Erzählens und Archivierens und stellt damit etablierten Kanons der Kunstgeschichte ein Gegenarchiv entgegen.
Moving Clouds: Werden, Vergehen, Berührtwerden
Der Ausstellungstitel ist vielschichtig. Wolken, die unablässig über den Himmel ziehen – das ist zunächst ein Bild für den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen. Doch „Moving” meint bei Tallová auch eine emotionale Qualität: von der Welt bewegt zu werden, von ihrer Schönheit ebenso wie von ihrer Zerstörung und Ausbeutung. Und schließlich verweist der Titel auf einen weiteren Zyklus, den Tallová in ihrem Werk immer wieder umkreist: den sich wiederholenden Aufstieg und Verfall männlich dominierter Zivilisationen, Kulturen und Machtstrukturen.
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