Poems & Prayers: Heribert Friedl und die Sprache als spirituelles Bild

Ein Wort. Eine Farbfläche. Ein Gebet. Der Grazer Künstler Heribert Friedl zeigt im KULTUM, wie aus existenzieller Trauer eine Bildsprache von großer Einfachheit und Schönheit entstehen kann.

Heribert Friedl ist seit Jahrzehnten für seine „nonvisualobjects” bekannt – Werke, die das Unsichtbare ins Zentrum stellen, oft über das Medium Duft. Nun ist im KULTUM Graz eine neue, radikal andere Werkserie zu erleben: „Poems & Prayers” – kleine, auf MDF-Platten gemalte Bilder, die ein einziges englisches Wort oder einen kurzen Satz tragen und diesen mit wohldosierten Farbflächen verbinden.

In der 18. Themenführung von „Gott hat kein Museum” war Friedl zu Gast bei Kurator Johannes Rauchenberger und erzählte, wie diese Bilder entstanden sind: aus einem Moment existenzieller Trauer, der sich in Sprache verdichtet hat. Die Poems – oft nur ein einziges Wort – werden dabei zu berührenden Nachrufen in eine Welt, von der man nicht wissen kann, ob sie existiert. Vielleicht kann man sie glauben. Es sind sprachliche Ikonen von Sehnsucht und Trost. Am Ende, so Friedl, sind diese Bilder auch Gebete.

Ein zeitgenössisches Stundenbuch

Der Schriftschnitt der Wörter verweist auf eine andere Zeit, vielleicht auf eine andere Glaubens- und Geschlechterordnung. Die Bilder sind klein, konzentriert, von großer innerer Stille. Nach ihrer erstmaligen Präsentation im KULTUMUSEUM Graz zum Jahreswechsel 2023/24 wurden die Werke vom KULTUM erworben und in einem Büchlein versammelt: rechts ein Wort, ein Satz, ein Ausruf – links dasselbe Wort auf Englisch als Bild. Jede Seite wird zum zeitgenössischen Andachtsbild. Die Sammlung gleicht einem Gebetbuch – oder einer radikal gegenwärtigen Aktualisierung eines mittelalterlichen Stundenbuchs.

Mehr unter: kultum.at

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