Über Gebärfähigkeit – Zur Naturgeschichte einer Imagination des Weiblichen
Vortrag von Karina Korecky, Freiburg (gesprochene Zitate: Tammo Jansen, Osnabrück)

Der Begriff der Gebärfähigkeit, so die These, bezeichnet das bevölkerungspolitische Potenzial der Frauen. Wie ist es entstanden?
Der Vortrag skizziert die Bewegung des Verhältnisses von Subjekt und Geburt von der deutschen Aufklärung über das 19. Jahrhundert, den ersten Weltkrieg und den NS bis zur Wiedervereinigung.
Verhandelte der frei Geborene seinen ersten Grund als geschlechtslose Antinomie (Kant), integrierte die liberale Medizin des 19. Jahrhunderts Weiblichkeit in des „Menschen Sein“ (Virchow), wurde die sexuelle Reproduktion im NS zum Gegenstand völkischer Arrangements.
Als „Gebürtlichkeit“ führte Hannah Arendt in der Nachkriegszeit das Konzept der Natalität in die politische Theorie ein.
Dem biopolitisch zugerichteten weiblichen Subjekt galt schließlich die feministische Dekonstruktion der 1990er Jahre (Butler) – die allerdings die Geschichte dieser weiblichen Natur unterschlug.

Karina Korecky, geb. in Wien, studierte Soziologie und Politikwissenschaft an den Universitäten Wien und Hamburg. Sie war Lehrbeauftragte in Hamburg und Bremen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für die Geschichte der Medizin in Düsseldorf und arbeitet seit 2017 am Institut für Soziologie der Universität Freiburg im DFG-Forschungsprojekt „Psychiatrie und Subjektivität im Wandel“.

Weitere Informationen: Kunsthalle Lingen

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