KI als interaktives Archiv
In ihrer aktuellen Arbeit „Shifting the Silence“ setzt sich die Künstlerin Gülbin Ünlü mit der Transformation von privatem und öffentlichem Archivmaterial auseinander. Dabei nutzt sie Künstliche Intelligenz als interaktives Werkzeug und digitales Archiv, betont jedoch die klare Grenze zur eigenen künstlerischen Urheberschaft: Die finale Komposition sowie die Überführung digitaler Entwürfe in den analogen Raum bleiben eine bewusste, oft intuitive Entscheidung der Künstlerin.
Vom persönlichen Erbe zum politischen Widerstand
Ein zentrales Werk der Ausstellung, „Waiting Faster“, thematisiert die Sichtbarkeit unterrepräsentierter Existenzen. Ünlü rückt weibliche, migrantische und arbeitende Biografien in den Fokus, die in der Kunstgeschichte oft nur als passive Objekte dargestellt wurden. Als symbolisches Trägermaterial dient hierbei Spitzenstoff aus dem Besitz ihrer Großmutter. Durch die Platzierung im öffentlichen, musealen Kontext wandelt sich das weiche, persönliche Material zu einem Zeichen des politischen Widerstands.
Sprache als Material und Akt der Selbstanerkennung
Auch Sprache wird von Ünlü als formbares Material begriffen. So hinterfragt sie beispielsweise die gesellschaftliche Erwartungshaltung der „Dankbarkeit“ gegenüber Menschen mit Migrationsgeschichte. Das demonstrative Durchstreichen des Wortes „Danke“ versteht die Künstlerin als Akt der Selbstanerkennung und als Ausdruck des eigenen Selbstwerts. Die Verwendung einer schwarzen Flagge auf Spitzenstoff referenziert zudem Symbole des Antifaschismus und Anarchismus, wobei hier vor allem die Idee von gemeinschaftlicher Stärke und Verbundenheit im Vordergrund steht.
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