Neue Ausstellung im Pilecki-Institut Berlin: Plantstory – Architektur, Natur und Kolonialpolitik im Nationalsozialismus

Die Ausstellung Plantstory widmet sich der Geschichte eines Wohnviertels im polnischen Ciechanów, das während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg entstand. Kuratorin und Architektin Barbara Nawrocka untersucht das architektonische Erbe solcher Siedlungen – lokal bekannt als Berlinki oder poniemieckie („nachdeutsch“) – und betrachtet sie aus einer ungewöhnlichen Perspektive: der von Pflanzen, Landschaft und Natur.

Das Viertel wurde Anfang der 1940er Jahre als sogenannte Gartenvorstadt für deutsche Beamte konzipiert – ein Projekt, das auf den Ideen der britischen Gartenstadtbewegung von Ebenezer Howard beruhte, im Kontext des Nationalsozialismus jedoch zu einem Werkzeug kolonialer Besatzungspolitik wurde. Plantstory zeigt, wie sich in dieser Architektur utopische, modernistische und zugleich reaktionäre Elemente überlagern und wie Natur und Pflanzen zu stillen Zeugen von Macht und Erinnerung werden.

Die Ausstellung vereint Reflexionen über Architekturgeschichte, Politik und Ökologie mit theoretischen Bezügen zu Bruno Latour und dessen Denken über die Subjektivität der Natur. Nawrocka verleiht Pflanzen dabei eine symbolische Stimme – als Mitgestalter und Bewahrer von Geschichte.

Nach Stationen in Gdynia, Ciechanów und Wrocław wurde Plantstory von Fachmedien wie Architektura Murator und Architecture Snob als eines der bedeutendsten Ausstellungsprojekte der letzten Jahre gefeiert. Nun wird die Schau erstmals in Berlin präsentiert – im Rahmen des Programms Exercising Modernity, das seit 2019 den Dialog über die Geschichte der Moderne in Mittel- und Osteuropa fördert und Kunst, Architektur und Gesellschaft in Beziehung setzt.

Mehr unter: berlin.instytutpileckiego.pl/de

Anzeige

Museumskalender

Newsletter