Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.: Städel Museum zeigt erste große Ausstellung zu einer der rätselhaftesten Figuren der Kunstgeschichte


Pierre Puvis de Chavannes
Maria Magdalena in der Wüste (Madeleine à la Sainte-Baume), 1869
Öl auf Leinwand, 156,5 x 105,5 cm
Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.

Sünderin, Heilige, Apostelin, Ikone – kaum eine Figur der christlichen Überlieferung wurde so vielfältig gedeutet und so leidenschaftlich gemalt wie Maria Magdalena. Das Städel Museum in Frankfurt widmet ihr ab September 2026 die erste umfassende Ausstellung im deutschsprachigen Raum.

Sie ist eine der wirkmächtigsten Gestalten der Kunstgeschichte – und zugleich eine der am meisten missverstandenen. Maria Magdalena wurde über Jahrhunderte hinweg neu erfunden: als treue Anhängerin Jesu und erste Zeugin der Auferstehung, als reumütige Sünderin und asketische Büßerin, als ekstatische Mystikerin und schließlich als moderne, selbstbestimmte Frau. Jede Epoche schrieb in sie ein, was sie bewegt, gefürchtet und ersehnt hat.

Ab dem 17. September 2026 zeigt das Städel Museum Frankfurt unter dem Titel „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.” erstmals im deutschsprachigen Raum eine umfassende Ausstellung zu dieser Figur. Über 100 hochkarätige Gemälde, Skulpturen und Grafiken vom Mittelalter bis in die Gegenwart – darunter bedeutende Leihgaben aus deutschen und internationalen Sammlungen – eröffnen einen facettenreichen Blick auf die künstlerische und emotionale Bandbreite ihrer Darstellungen.

Große Namen, starker Fokus auf Künstlerinnen

Die Werkauswahl ist beeindruckend: Albrecht Dürer, Georges de la Tour, Claude Lorrain, Auguste Rodin, Max Beckmann und David LaChapelle stehen neben Werken von Künstlerinnen, denen die Schau besondere Aufmerksamkeit widmet – darunter Lavinia Fontana, Elisabetta Sirani, Luisa Roldán, Lotte Laserstein, Kiki Smith, Marlene Dumas und Nieves González. Ausgangspunkt sind zentrale Werke aus den Sammlungen des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung.

Museumsdirektor Philipp Demandt betont die Aktualität des Themas: „Kaum ein anderes Sujet wurde über Jahrhunderte hinweg so vielfältig dargestellt und neu interpretiert. Wir freuen uns, mit dieser Ausstellung die facettenreiche Bildgeschichte Maria Magdalenas umfassend zu zeigen und damit eine Figur zu beleuchten, an der sich bis heute Fragen nach Rollenbildern, Spiritualität und weiblicher Erfahrung verdichten.”

Projektionsfläche und eigenständige Gestalt

Die Ausstellung verfolgt Maria Magdalenas ikonografische Transformation bis in die Populärkultur – und macht dabei sichtbar, wie sehr sie immer beides war: Projektionsfläche gesellschaftlicher Vorstellungen von Weiblichkeit und zugleich eine eigenständige, vielstimmige Gestalt, die sich einfachen Deutungen entzieht. Von neutestamentlichen Schriften über mittelalterliche Legenden bis in die Gegenwart spiegeln ihre Darstellungen stets die Fragen, Ängste und Sehnsüchte ihrer jeweiligen Zeit.

„Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.” ist damit weit mehr als eine kunsthistorische Retrospektive – sie ist eine Einladung, über Weiblichkeit, Glaube, Begehren und gesellschaftliche Zuschreibungen nachzudenken. Und darüber, wer das Recht hat, eine Geschichte zu erzählen.

Mehr unter: staedelmuseum.de

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