Memes, Dating-Apps, ASMR, Emojis und Verschwörungstheorien – die Ausstellung bei C/O Berlin legt offen, wie digitale Bilder unsere Wahrnehmung lenken, Gefühle provozieren und Meinungen formen.
Eine Ausstellung über die Macht des digitalen Bildes
Wie locken, fesseln oder täuschen uns Bilder, die online zirkulieren? Dieser Frage geht „The Lure of the Image” bei C/O Berlin nach. 14 künstlerische Positionen setzen sich mit visuellen Phänomenen auseinander, die im Netz als Vehikel für Kommunikation, Kritik und Komik dienen – und dabei unsere soziale, kulturelle und politische Umgebung mitgestalten.
Von Social-Media-Feeds bis zu Verschwörungsbildern
Die Ausstellung lädt ein, die visuellen Welten von Social-Media-Feeds, Dating-App-Profilen, Beauty-Filtern, Memes, ASMR-Videos, Emojis, computergenerierten Bildern und pixeligen Screenshots zu erkunden. Dabei legen die Arbeiten die komplexen Mechanismen digitaler Verführung frei – von Algorithmen bis zu Datensätzen, die Aufmerksamkeit lenken, Gefühle provozieren und Meinungen beeinflussen. Die räumliche Inszenierung wechselt bewusst zwischen Überwältigung und Reflexion.
Ausgewählte Positionen
Zoé Aubry archiviert in ihrer Installation #Ingrid (2022) eine digitale Protestbewegung, die entwürdigende Tatbilder gegen Frauen durch würdige kollektive Erinnerungsbilder ersetzt. Dina Kelberman verdichtet in The Wave (2025) tausende ASMR-Clips zu einer überwältigenden Bild- und Klanglandschaft, die zwischen Entspannung und Reizüberflutung oszilliert. Joiri Minaya hinterfragt in #dominicanwomengooglesearch (2016) stereotype Darstellungen weiblicher Körper im Netz und legt koloniale Blickregime offen, die Suchalgorithmen reproduzieren. Jenny Rova reflektiert in A MILF DREAM – My matches on Tinder (2024), wie Intimität und Begehren in standardisierten Bildlogiken verhandelt werden.
Viktoria Binschtok untersucht in Digital Semiotics (2024–2025) die politischen und gesellschaftlichen Implikationen von Emojis – wie diese in bestimmten Kontexten Zensur unterlaufen und Zusammenhalt fördern können. Noura Tafeche analysiert in Annihilation Core, Inherited Lore (2023–), wie „Kawaii”-Ästhetiken und popkulturelle Bildsprachen zur Verbreitung von Gewalt, Ideologien und Propaganda instrumentalisiert werden.
Kuratorisches Konzept und Publikation
Die Ausstellung wurde ursprünglich kuratiert von Marco De Mutiis, Doris Gassert und Alessandra Nappo (Fotomuseum Winterthur) und für C/O Berlin von Boaz Levin adaptiert. Zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen. Weitere beteiligte Künstlerinnen und Künstler sind Sara Bezovšek, Sara Cwynar, Éamonn Freel x Lynski, Michael Mandiberg, Simone C Niquille, Jon Rafman und Hito Steyerl.
Mehr unter: co-berlin.org




