Jerusalem als Nabel der Welt und Ort des Jüngsten Gerichts: Vortrag von Prof. em. Dr. Klaus Bieberstein im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst

Warum gilt Jerusalem in Judentum, Christentum und Islam als ein besonderer heiliger Ort? Dieser Frage widmet sich Prof. em. Dr. Klaus Bieberstein in seinem Vortrag „Jerusalem als Nabel der Welt und Ort des Jüngsten Gerichts“.

Die Veranstaltung fand am 25. September 2026 im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst statt und ist Teil der „Manfred Görg-Gedächtnisvorlesung“. Sie entsteht in Kooperation mit der Gesellschaft Freunde Abrahams e.V.

Wie heilige Orte entstehen

Religionen bestimmen, welche Orte für ihre Gemeinschaften als heilig gelten. Mit der Sesshaftwerdung des Menschen entstanden erste Tempelanlagen und religiöse Zentren, die nicht nur Orte des Gottesdienstes, sondern auch symbolische Mittelpunkte der jeweiligen Weltordnung waren.

In dieser Tradition steht auch der Tempel von Jerusalem. Er wurde über Jahrhunderte als Mitte und Achse der Welt verstanden – als ein Ort, um den sich die religiöse Vorstellung von Welt und Schöpfung symbolisch drehte.

Jerusalem als geistiges Zentrum

Auch nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer blieb der Ort für das Judentum von zentraler Bedeutung. Die Erinnerung an den Tempel und seine symbolische Bedeutung bestanden über Jahrhunderte fort.

Mit der islamischen Herrschaft veränderte sich die religiöse Nutzung des Ortes. Unter Kalif Umar wurde der Platz wieder dem Gottesdienst zugeführt. Unter Kalif Abd al-Malik entstand dort schließlich der Felsendom, eines der bedeutendsten Bauwerke der islamischen Architektur.

Der Felsendom und der Jüngste Tag

Der Felsendom wurde nicht nur als Bezugspunkt zur Geschichte des Salomonischen Tempels verstanden. In unterschiedlichen religiösen Deutungen erhielt der Ort auch eine eschatologische Bedeutung.

Er wurde mit der Vorstellung vom Schlussstein der Schöpfung und insbesondere mit dem Jüngsten Gericht verbunden. Damit wurde Jerusalem zu einem Ort, an dem sich Vorstellungen von Schöpfung, Heilsgeschichte und dem Ende der Welt miteinander verbinden.

Ein gemeinsamer heiliger Ort für drei Religionen

Die Geschichte Jerusalems zeigt, wie eng Judentum, Christentum und Islam miteinander verbunden sind. Trotz unterschiedlicher religiöser Traditionen und Deutungen beziehen sich alle drei Religionen auf die besondere Bedeutung Jerusalems und seiner heiligen Orte.

Der Vortrag von Klaus Bieberstein nimmt diese gemeinsame Geschichte in den Blick und zeigt, wie sich religiöse Vorstellungen über Jahrtausende hinweg an einem Ort überlagert und weiterentwickelt haben.

Manfred Görg-Gedächtnisvorlesung

Der Vortrag fand im Rahmen der Manfred Görg-Gedächtnisvorlesung am 25.9.2026 statt und verbindet religionsgeschichtliche, historische und archäologische Perspektiven.

Mehr unter: smaek.de

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