Amerika war für den Bildhauer Gerhard Marcks weit mehr als nur ein ferner Kontinent – es war ein entscheidender Marktplatz für seine Kunst und ein Ort lebenslanger Faszination. Die Ausstellung „Go West“ im Gerhard-Marcks-Haus Bremen beleuchtet nun diese besondere Verbindung.
Miriam Vaii, Kustodin am Gerhard-Marcks-Haus, führt in der neuen Sonderausstellung durch ein Kapitel im Leben des Künstlers, das oft im Schatten seiner europäischen Erfolge steht. Dabei war Amerika für Marcks zwar kein klassischer „Sehnsuchtsort“, aber dennoch ein zentraler Bezugspunkt in seiner Karriere.
Erfolg auf dem US-Kunstmarkt
Dass Gerhard Marcks in den USA so Fuß fassen konnte, verdankte er unter anderem einem engagierten Galeristen in New York, der ihn erfolgreich auf dem amerikanischen Kunstmarkt vertrat. Sein Renommee war so groß, dass er bereits früh in bedeutenden Sammlungen wie dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York vertreten war.
Ein besonderes Highlight der Bremer Schau sind die „Läufer“ – Skulpturen, die bereits in den 1930er Jahren vom MoMA angekauft wurden und nun für die Ausstellung den Weg zurück über den Atlantik gefunden haben.
Von Kinderzeichnungen und kolonialen Träumen
Die Ausstellung wagt auch einen Blick zurück in die Kindheit des Künstlers. Schon als elfjähriger Junge war Marcks von den indigenen Völkern Amerikas begeistert.
- Frühe Werke: Die Schau zeigt Zeichnungen, die er bereits im Alter von elf Jahren anfertigte.
- Kritische Reflexion: Das Museum verschweigt dabei nicht, dass Marcks damals ein sehr romantisiertes und aus heutiger Sicht kolonialistisches Bild pflegte. Dennoch wurden diese frühen Arbeiten integriert, da sie die „große Liebe des kleinen Gerhards“ und den Ursprung seines Interesses an Amerika verdeutlichen.
Der Blick über den Tellerrand: Gerhard Marcks’ Reise durch Mexiko
Für Gerhard Marcks war Amerika weit mehr als nur ein wirtschaftlicher Erfolgspfeiler. Seine Reise nach Mexiko im Jahr 1968 öffnete ihm neue künstlerische Horizonte und ließ eine tiefe Faszination für Land, Leute und Geschichte entstehen. Die Bremer Ausstellung „Go West“ nimmt diese prägende Zeit nun genauer unter die Lupe.
Acht Wochen lang reiste der Bildhauer Gerhard Marcks durch Amerika, wobei ihn sein Weg auch nach Mexiko führte. Veronika Wiegartz, Kustodin am Gerhard-Marcks-Haus, beschreibt diese Phase als eine Zeit der Begegnungen: Marcks traf alte Freunde, knüpfte Kontakte zu Sammlern und stieß immer wieder auf eigene Werke, die er über die Jahre in den USA verkauft hatte.
Mehr als nur Ruinen: Die Faszination für das Menschliche
Während viele Künstler seiner Zeit vor allem die monumentalen archäologischen Stätten suchten, galt Marcks’ Interesse vor allem dem alltäglichen Leben.
- Beobachtung und Skizze: Marcks verbrachte viel Zeit damit, die indigene Bevölkerung zu beobachten und in Zeichnungen festzuhalten.
- Die Landschaft: Auch die mexikanische Natur und die Kunstwerke vor Ort dienten ihm als wichtige Inspirationsquellen.
Teresa und Pablo: Ein bleibendes Denkmal
Die Eindrücke dieser Reise hallten noch lange nach seiner Rückkehr in die Heimat nach. Inspiriert von einem mexikanischen Paar, das er auf seinen Reisen beobachtet hatte, schuf Marcks die Figurengruppe „Teresa und Pablo“. Die tiefe Verbundenheit zu seinen Gastgebern zeigte Marcks auch durch eine großzügige Geste: Ein Exemplar dieser Skulpturengruppe schenkte er später der deutschen Botschaft in Mexiko-Stadt, wo sie bis heute an den kulturellen Austausch erinnert.
Die Ausstellung im Gerhard-Marcks-Haus zeigt eindrucksvoll, wie die Begegnung mit der Fremde das Spätwerk des Künstlers bereicherte und seine menschliche Sicht auf die Welt festigte.
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