Fundamentalismus und Kunst: Hannes Priesch zu Gast bei im Kultum Graz

Religiöser Fundamentalismus, vereinnahmt von politischen Extremen – und Bibelbilder, die diese Vereinnahmung schon vor zwei Jahrzehnten künstlerisch hinterfragten. Hannes Priesch war Gast der 19. Themenführung im KULTUM Graz.

Religiöser Fundamentalismus wird zum immer drängenderen Thema – und mit ihm die Frage, wie die extreme Rechte Religion für ihre Zwecke instrumentalisiert: in den USA mit Konvertiten, Apokalyptikern und Erlösungsfiguren, aber auch in Deutschland und Österreich, wo Parteien christliche Feste schamlos für Werbestrategien kapern. Am 27. Juni 2026 war der österreichisch-amerikanische Künstler Hannes Priesch gemeinsam mit Werner Reiterer Special Guest bei Kurator Johannes Rauchenberger in der 19. Themenführung der großen Schau „Gott hat kein Museum”.

Rauchenberger machte zu Beginn ein bemerkenswertes Bekenntnis: Es war gerade Prieschs Werk, das ihn überhaupt erst dazu brachte, sich mit dem Thema Fundamentalismus auseinanderzusetzen.

Bibelbilder als Antwort auf 9/11

Priesch, der in den 1990er- und 2000er-Jahren in New York lebte und auch amerikanischer Staatsbürger ist, beschäftigte sich nach den Anschlägen vom 11. September intensiv mit dem wachsenden religiösen Fundamentalismus in Amerika – besonders während der Regierungszeit von George W. Bush. Über ein Jahrzehnt hinweg entstanden seine „Bibelbilder”, die sich vor allem mit Stellen des Alten Testaments auseinandersetzen, die von der Eifersucht Gottes, vom zweischneidigen Heil und angedrohten Unheil erzählen – „God’s Statements” im entstehenden Monotheismus.

Eine zentrale Installation war 2007 beim Symposium „Kunst zu glauben” anlässlich des 70. Geburtstags von Bischof Egon Kapellari im Stiegenaufgang zum Minoritensaal zu sehen. Die zugrundeliegende Bibelstelle (Dtn 32, 39-42) hielt Priesch 2004 als Malerei fest. Ohne den Religionswissenschaftler Jan Assmann (1938–2024) gekannt zu haben, trifft sein Werk dabei den Kern von dessen vieldiskutierter These zur Jahrtausendwende: der Korrelation von Monotheismus und Gewalt.

Die Werke im Dachboden der Ausstellung „Gott hat kein Museum” werden so zu einem umso eindringlicheren Protest gegen die gegenwärtige politische Vereinnahmung von Religion.

Mehr unter: kultum.at

Anzeige


Wie Escape-Formate Wissen im Museum erlebbar machen

Newsletter