Instabile politische Verhältnisse, Machtmissbrauch durch Eliten und eine kriselnde Wirtschaft: Was wie eine Schlagzeile von heute klingt, war der Alltag von Honoré Daumier im Paris des 19. Jahrhunderts. Ab dem 6. Februar 2026 widmet die ALBERTINA in Wien diesem unbestechlichen Chronisten die erste große Werkschau seit fast einem Jahrhundert.
Honoré Daumier war mehr als ein Künstler; er war ein Kämpfer für die Freiheit des Wortes und des Bildes. Seine Karikaturen waren so treffsicher und seine Kritik so scharf, dass er sogar eine Gefängnisstrafe riskierte, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Doch wer Daumier nur auf die politische Karikatur reduziert, greift zu kurz.
Das Panorama des Menschlichen
Die Ausstellung „Spiegel der Gesellschaft“ zeigt die gesamte Bandbreite seines Schaffens. In Kooperation mit dem Städel Museum (Frankfurt am Main) und unterstützt durch die hochkarätige Sammlung Hellwig, präsentiert die ALBERTINA:
- Scharfsinnige Lithografien: Die berühmten Blätter, die Machtmissbrauch und soziale Ungerechtigkeit anprangern.
- Meisterhafte Gemälde & Skulpturen: Werke, die Daumier als ernsthaften Beobachter der menschlichen Physiognomie und des Pariser Großstadtlebens zeigen.
- Das Alltagsleben: Szenen aus der Metro, aus Gerichtssälen und von den Straßen von Paris – festgehalten mit einer Empathie, die ihn zum Vorläufer des Modernismus macht.
Ein besonderes Highlight: Wenn Bilder laufen lernen
Ein kurioses und zugleich faszinierendes Element der Schau ist ein Animationsfilm, der Daumiers gezeichnete Welt zum Leben erweckt. Das Projekt beruht auf einer Idee von Linda und Paul McCartney. Letzterer lieferte nicht nur den Impuls, sondern vertonte das Werk auch eigens – eine Begegnung der Giganten über die Jahrhunderte hinweg.
Warum Daumier heute wichtiger ist denn je
In einer Ära von „Fake News“ und komplexen globalen Krisen wirkt Daumiers unbestechlicher Blick erfrischend direkt. Die Ausstellung macht deutlich, dass die Freiheit der Kunst kein Geschenk ist, sondern ein Gut, das zu allen Zeiten verteidigt werden muss. Nach 90 Jahren Wartezeit bietet die ALBERTINA nun die Gelegenheit, diesen Giganten der Kunstgeschichte völlig neu zu entdecken.
Mehr unter: albertina.at






