Franz Xaver Messerschmidt ist heute vor allem für seine exzentrischen „Charakterköpfe“ bekannt. Doch der Beginn seiner Karriere im Wien des 18. Jahrhunderts war geprägt von hochherrschaftlichen Aufträgen. Das Belvedere Museum beleuchtet nun die faszinierende Geschichte der monumentalen Statuen von Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen.
Eine künstlerische Visitenkarte
Am Anfang seiner Laufbahn als Porträtplastiker schuf Messerschmidt zwei Büsten des Kaiserpaares, die ursprünglich für das kaiserliche Zeughaus bestimmt waren. Diese Arbeiten fungierten als eine Art „Visitenkarte“, vermittelt durch den Fürsten Liechtenstein, um den jungen Künstler am Wiener Hof einzuführen. Messerschmidt bewies früh sein Talent, indem er Maria Theresia und Franz Stephan als ein durchaus nahbares und sympathisches Paar darstellte.
Die Kaiserin als „König von Ungarn“
Im Jahr 1764 erhielt Messerschmidt einen bedeutenden Folgeauftrag: Maria Theresia gab eine lebensgroße Statue ihrer selbst in Auftrag. Das Werk hat eine besondere politische Dimension, da es sie als „Rex Hungariae“ – als König von Ungarn – zeigt. Durch die Pragmatische Sanktion hatte sie das Erbe ihres Vaters angetreten. Messerschmidt stellte sie im ungarischen Kleidungsgewand mit den entsprechenden Insignien und einer stilisierten Stefanskrone dar. Ergänzt wurde die Gruppe durch eine Statue ihres Gemahls, der ebenfalls verjüngt zum Zeitpunkt seiner Kaiserkrönung dargestellt ist.
Übermalt und vergessen: Eine kuriose Entdeckung
Trotz der anfänglichen Prominenz der Werke gerieten die Statuen mit der Zeit in Vergessenheit. Erst der Kunsthistoriker Albert Ilk, Verfasser der ersten Messerschmidt-Monografie, begab sich Ende des 19. Jahrhunderts auf die Suche. Er fand die Statue der Maria Theresia schließlich im Schlosspark von Laxenburg – allerdings in einem unerwarteten Zustand.
Um die Metallfigur optisch an eine Gruppe von Marmorstatuen anderer Habsburger Kaiser anzupassen, war die bronzene Kaiserin kurzerhand mit weißer Farbe überstrichen worden. Erst im Vorfeld der Eröffnung des Barockmuseums im Unteren Belvedere im Jahr 1923 wurden diese Meisterwerke fachgerecht restauriert und erhielten ihren heutigen Ehrenplatz in der Sammlung.
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