Abschied von kolonialen Mustern: Oldenburger Naturalienkabinett schließt seine Pforten

Einblick in die Aktionsfläche RE:vision
© Landesmuseum Natur und Mensch, Foto: Ida Neumann

Das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg beendet ein Kapitel seiner Dauerausstellung. Am 22. Februar 2026 schließt das „Naturalienkabinett“ endgültig. Damit macht das Museum Platz für eine Zukunft, die indigene Perspektiven ernst nimmt und eurozentrische Denkmuster hinterfragt.

Was auf den ersten Blick wie ein nostalgischer Rückzugsort für Entdecker wirkt, ist bei genauerem Hinsehen ein Relikt problematischer Machtverhältnisse. Obwohl die Inszenierung des Kabinetts im ersten Stock erst aus den 1980er-Jahren stammt, zitiert sie eine Darstellungsweise des 19. Jahrhunderts, die heute nicht mehr haltbar ist.

Warum die Schließung unumgänglich ist

Die begleitende Aktionsfläche „RE:vision. Vom Staunen zum Verstehen“ macht die Hintergründe der Entscheidung noch bis zum 22. Februar sichtbar. Das Museum benennt die Probleme klar beim Namen:

  • Koloniale Konkurrenz: Viele Exponate wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert unter unklaren oder gewaltvollen Umständen angeeignet.
  • Eurozentrischer Blick: Die Bezeichnungen und die Art der Präsentation spiegeln eine Überlegenheitshaltung wider, die die Herkunftsgesellschaften ausblendet.
  • Fehlende Transparenz: Bis 2023 wurden hier sogar ethnologische Gegenstände neben Tierpräparaten gezeigt – eine Verknüpfung, die heute als hochproblematisch gilt.

Die Chance zum Dialog: Diskutieren Sie mit!

Das Museum zieht sich nicht im Stillen zurück, sondern sucht die Debatte. In den verbleibenden Tagen laden verschiedene Formate zur aktiven Teilhabe ein:

  • Werkstattgespräche: Am 7. Februar (11 Uhr) und 21. Februar (14 Uhr) können Besucher über die Geschichten hinter den Objekten diskutieren.
  • Provenienzforschung: Am 14. Februar (14 Uhr) gibt die Forscherin Jennifer Tadge tiefe Einblicke in die Aufarbeitung kolonialer Erwerbsketten.
  • Regionalgeschichte kritisch: Das After-Work-Gespräch am 13. Februar (16 Uhr) beleuchtet ein besonders dunkles Kapitel: Die Inszenierung eines „somalischen Dorfes“ auf der Landesausstellung 1905.

Blick nach vorn: Ein Raum für Kooperation

Die Exponate verschwinden nicht aus der Welt, sondern werden in die Sammlung überführt, wo sie unter besseren konservatorischen Bedingungen für die Forschung und neue, reflektierte Ausstellungen bereitstehen. Auf der freiwerdenden Fläche soll ein offener Raum für neue Perspektiven entstehen – ein Ort für Künstler, Communities und aktuelle gesellschaftliche Themen.

Mehr unter: www.naturundmensch.de

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Museum Angewandte Kunst | Grafik: Bureau Sandra Doeller

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