Denk an das Ende deiner Tage! Dann gewinnt manches eine neue Bedeutung.“ Stimmt irgendwie. Vier der unendlich vielen „Spruchplakate“ aus den 1980er und 1990er Jahren hat das Künstlerpaar zweintopf noch in einem extra für diese Ausstellung auf willhaben.at erstandenen Schaukasten (der ÖBB) aufgehängt. Sie bilden die Referenz für eine wunderbare Installation im Franziskussaal.

Die erfolgreichen Sprüche, mit denen man „Glaubenspropaganda“ in Österreich fast zwangsläufig in Verbindung bringt, die sogenannten „Spruchplakate“ der „Katholischen Glaubensinformation der Erzdiözese Wien“ zierten private Häuser, Schaukästen, Arztpraxen oder Wirtshausstuben und wurden so zum halböffentlichen Erscheinungsbild kirchlicher Zuspruchs- und Trostrhetorik – waren Appelle zu einem christlichen Handeln mit einer enormen Breitenwirkung. Diese waren für das Künstlerpaar zweintopf (Eva Pichler und Gerhard Pichler) der Anlass, sich mit religiösen Botschaften künstlerisch auseinanderzusetzen. Sie setzten aber nicht die Appelle erneut ins Wort, sondern vielmehr die Bitten, die, in öffentlichen Bittbüchern niedergeschrieben, an die Mutter Gottes der Wallfahrtskirche Mariatrost bei Graz herangetragen werden. Die Bitten auf diesen Plakaten wurden sprachlich nicht verändert!

Ihr Interesse gilt aber nicht bloß der Naivität der Bitten, sondern auch der Konkurrenz religiöser Erwartungen und kapitalistischer Werbeversprechen im öffentlichen Raum. Die Eintragung in einem öffentlichen Buch in der Wallfahrtskirche von Mariatrost ist für zweintopf zudem ein Vorläufer für die Zurschaustellung privater Inhalte im Internet. Nicht selten werden hier wie da Alltagsprobleme mit hoher Heilserwartung auf eine Stufe mit „echten“ Wundern gestellt und Fürsprache in puncto Benzinpreiserhöhung und Prüfungsangst erfleht.

Das Künstlerpaar zweintopf (Eva Pichler und Gerhard Pichler) eröffnet die Serie der allgemeinen Kuratorenführungen, die Kurator Johannes Rauchenberger in den nächsten Wochen, meist samstags durchführen wird und zu denen er weitere Gäste willkommen heißen wird.

Mehr unter: www.kultum.at

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