Das beeindruckendste Werk des Grazer Minoritensaals ist zweifellos das riesige Gemälde „Die Speisung der 5000“ von Johann Baptist Raunacher. Dieses barocke Meisterwerk aus dem Jahr 1732 gehört zu den größten auf Leinwand gespannten Bildern in Österreich. Johannes Rauchenberger erläutert, dass der in Graz lebende Barockmaler für seine Malerei eine Italienreise unternommen hat.

Das Gemälde stellt eine gewaltige Massenszene dar, in der ständig neue Gruppen und Gesichter erscheinen. Männer, Frauen und Kinder sind in lebhafter Interaktion miteinander zu sehen. Obwohl das Johannesevangelium von 5000 Männern spricht, sind hier alle Geschlechter vertreten. Die dargestellten Personen wirken nicht wirklich hungrig, was darauf hindeutet, dass sie von Jesus belehrt wurden, wie im Evangelium beschrieben. Viele Hände sind im Bild zu sehen und beleben es, meist in Richtung Christus weisend.

In den Evangelien von Markus und Lukas wird berichtet, dass Jesus die Menschen mit Mitgefühl belehrte und vom Reich Gottes sprach. Die Szene zeigt die „wunderbare Brotvermehrung“, die in allen vier Evangelien erzählt wird.

Auf der linken Seite des Gemäldes strömen Menschenmassen aus einer dunklen Bergkulisse herbei. Eine Weide mit Schafen und Hirten ist am linken oberen Bildrand zu sehen, während im Vordergrund ein Junge die Arme in die Luft reißt und die Sonne untergeht. Jesus fordert seine Jünger auf: „Gebt IHR ihnen zu essen!“ (Mk 6,37).

Ein besonderer Lichtschein fällt auf einige Hauptfiguren im Vordergrund. Ein Brotträger, der zur Menge im Mittelgrund geht, wird von einem blaugekleideten Jünger angewiesen. Eine beleuchtete Ganzkörperfigur hält ein Tragetuch voller Brotstücke. Der Junge rechts von dieser Figur zeigt auf die Brotstücke und Fische, während Jesus seine Jünger fragt: „Wie viele Brote habt ihr?“ (Joh 6).

Jesus wird in der Szene fast schwebend dargestellt, mit erhobenem Arm, was seine besondere Bedeutung hervorhebt. Die Menschen im Hintergrund sind in immer neuen Gruppen dargestellt, was das Bild zu einem vielschichtigen Landschaftsgemälde macht. Ein See und Berge sind im rechten Hintergrund zu sehen, über denen sich der Abendhimmel erstreckt.

Der frühere Leiter des Diözesanmuseums, Rochus Kolbach, zählte über 1000 Köpfe in diesem Gemälde. Am rechten Bildvordergrund werden schließlich zwölf Körbe mit übriggebliebenen Brocken aufgereiht, wie es im Johannesevangelium beschrieben wird: „Sammelt die übriggebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt.“ (Joh 6,13).

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