Aus der Not geboren: Das dunkle Erbe der arbeitenden Kinder

Kinderarbeit wird oft als ein Relikt des 19. Jahrhunderts abgetan. Doch eine neue Perspektive im Landesmuseum Zürich macht deutlich: Die Ausbeutung und das Leid von Kindern zogen sich weit bis ins 20. Jahrhundert hinein – oft legitimiert durch staatliche Maßnahmen zur „Fremdplatzierung“.

Es ist ein Thema, das in der Schweizer Geschichte noch lange nicht vollständig verarbeitet ist. Unter dem Vorwand, Eltern seien „unfähig zur Erziehung“, wurden unzähligen Kindern ihre Familien weggenommen. Ihr Ziel: Heime oder Bauernhöfe, wo sie oft nicht Schutz fanden, sondern harter Arbeit nachgehen mussten.

Ein Symbol der Flucht: Die Turnschuhe von Nadin Felix

In der Ausstellung steht ein Paar Turnschuhe stellvertretend für ein solch tragisches Einzelschicksal. Sie gehörten Nadin Felix, deren Leben von Instabilität geprägt war:

  • Frühe Brüche: Als Baby einer alkoholkranken Mutter geboren, wurde sie kurz nach der Geburt adoptiert.
  • Systematische Härte: Nach der Scheidung ihrer Adoptiveltern landete sie in Heimen, wo harte Arbeit zum Alltag gehörte.
  • Die Folgen des Traumas: Erst mit 20 Jahren erlangte sie ihre Mündigkeit, rutschte jedoch aufgrund ihrer Vergangenheit in die Drogensucht ab.

Diese Schuhe symbolisieren heute den brennenden Wunsch nach Flucht aus dem Heimalltag und die tiefen Narben, die eine solche Kindheit hinterlässt.

Arbeit als Disziplinierung

Die Fremdplatzierung war oft eng mit wirtschaftlicher Ausbeutung verknüpft. Kinder wurden als billige Arbeitskräfte auf Bauernhöfen eingesetzt, was unter dem Deckmantel der „Erziehung zur Arbeit“ geschah. Die Ausstellung im Landesmuseum bricht das Schweigen über diese dunklen Kapitel und gibt den Betroffenen eine Stimme, deren Schicksale oft jahrzehntelang ignoriert wurden.

Mehr unter: www.landesmuseum.ch/de

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