Die Himmelsscheibe von Nebra: Eine illegale Raubgrabung, ein jahrelanger Gerichtsprozess und die mühsame Rekonstruktion eines der bedeutendsten archäologischen Funde Europas.
Es ist ein gewöhnlicher Sommertag, als am Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt etwas Außergewöhnliches aus dem Boden gerissen wird: die Himmelsscheibe – ein Fund, der die Welt der europäischen Archäologie für immer verändern sollte. Doch der Entdecker ist kein Forscher, und die Ausgrabung ist keine wissenschaftliche. Sondengänger plündern das Gelände illegal und entreißen dem Boden neben der Himmelsscheibe auch zwei Schwerter, zwei Beile, einen Meißel sowie mehrere Armringe.
Raubgrabung und Hehlerei: Der Fund gelangt in falsche Hände
Was folgt, ist kein Triumph der Wissenschaft, sondern ein kriminelles Geschäft. Die Fundstücke werden umgehend an überregional tätige Hehler weiterverkauft und verschwinden vorerst aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Damit droht nicht nur der kulturelle Schatz verloren zu gehen – auch die Informationen über Fundort und Fundzusammenhang, die für den wissenschaftlichen Wert eines archäologischen Objekts entscheidend sind, scheinen unwiederbringlich verloren.
Herkunft und Zusammensetzung des Gesamtfundes rücken in einem langen Gerichtsprozess ins Zentrum. Denn ohne den Nachweis des originalen Fundortes und des Fundzusammenhangs wäre eine Sicherstellung der Himmelsscheibe für die Allgemeinheit kaum möglich gewesen. Durch detaillierte Zeugenbefragungen und Sachverständigengutachten gelingt es schließlich, zweifelsfrei zu belegen: Die Scheibe stammt vom Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt.
2002: Behörden betreten erstmals den Fundort
Am 4. Juli 2002 – drei Jahre nach der Raubgrabung – erfolgt die erste offizielle Begehung des Fundortes durch das damalige Landesamt für Archäologie. Ein später, aber wichtiger Schritt auf dem Weg zur wissenschaftlichen Aufarbeitung eines Fundes, der unter denkbar schlechten Bedingungen ans Licht gekommen war.
Sieben Jahre nach dem schicksalhaften Julitag steht Henry Westphal, einer der ursprünglichen Finder, erneut auf dem Mittelberg – diesmal gemeinsam mit Landesarchäologe Harald Meller. Westphal schildert dabei detailliert, was sich 1999 an diesem Ort zugetragen hat. Durch seine Aussagen und die anschließende Rekonstruktion der ursprünglichen Fundlage lassen sich zumindest einige wissenschaftlich wertvolle Informationen nachträglich sichern.
Ein geplünderter Fund – und was die Wissenschaft dennoch retten konnte
Der Fall der Himmelsscheibe von Nebra ist auch eine Geschichte darüber, was die Archäologie verliert, wenn Raubgräber zuschlagen: Kontext, Lage, Beifunde – all das ist für die Forschung oft ebenso bedeutsam wie das Objekt selbst. Dass in diesem Fall dennoch wichtige Erkenntnisse gerettet werden konnten, ist dem langen juristischen und wissenschaftlichen Einsatz vieler Beteiligter zu verdanken.
Eine Thomas Claus Medienproduktion im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte im Rahmen des Archaeofilm-Angebots, 2006/2026. “Archaeofilm” ist eine geschützte Wort-Bild-Marke des Landes Sachsen-Anhalt (LDA).
Für die Dreharbeiten im Jahr 2006 wurden zum Nachstellen der Fundsituation Plastikkopien der Funde verwendet.
Regie: Thomas Claus
Bildgestaltung: Götz Walter
Ton: Ulrich Vollmer
Tonmischung: Jana König
Schnitt: Marianne Thies
Mehr unter: landesmuseum-vorgeschichte.de




