Eine Roboterin, die servil lächelt. Einer, der die Weltherrschaft beansprucht. Das Deutsche Museum Bonn nutzt humanoide KI-Roboter nicht als Attraktion, sondern als Provokation – und als Einladung zum Nachdenken.
Ameka wurde ursprünglich für Hollywood entwickelt. Heute steht sie im Deutschen Museum Bonn – Forum für Künstliche Intelligenz – und spricht mit Besucherinnen und Besuchern. Ralph Burmester und Dana Vlcek berichten in einem Werkstattbericht, was dabei passiert: technisch, emotional und gesellschaftlich.
Der Einsatz von Ameka verfolgt zwei Ziele. Erstens die Vermittlung: Was ist humanoide Robotik? Welche Chancen bringt sie, welche Risiken? Zweitens die Forschung: In Kooperation mit Universitäten und Hochschulen untersucht das Museum, wie Menschen auf humanoide Roboter reagieren – im Vergleich zu KI-Avataren auf flachen Bildschirmen oder büstenartigen Robotern. Die Ergebnisse sind aufschlussreich. Denn was Ameka sagt und wie sie es sagt, verändert die Wahrnehmung erheblich.
Servil oder aggressiv – Roboter als Spiegel
Das Museum spielt dabei bewusst mit unterschiedlichen Charakteren: die diensteifrige, weiblich konnotierte Stimme, die man erwartet – und das schroff-aggressive, männlich auftretende Wesen, das die Weltherrschaft beansprucht. Die Bandbreite ist Programm. „Die Leute sollen sich ihre eigene Meinung bilden”, sagt Burmester. Denn diese Roboter werden Teil unserer Welt werden – die Frage ist nur, wie wir sie gestalten wollen. An der Hotelrezeption mag humanoide KI für manche akzeptabel sein. Wenn aber ganze Berufsfelder wegfallen, weil Maschinen sprechen, laufen und handeln können wie Menschen, wird es gesellschaftlich brisant. Genau dafür will das Museum sensibilisieren.
Das Konzept funktioniert generationenübergreifend: vom kleinen Kind bis zur Rentnerin. Jeder reagiert anders – mit Begeisterung, mit Unbehagen, mit Faszination. Und genau diese emotionale Reibung ist gewollt.
Der Mensch bleibt das Herzstück
Bald kommt ein weiterer humanoider Roboter ins Museum – einer, der laufen kann und Besucherinnen und Besucher bereits am Eingang empfangen wird. Doch auch dann gilt das zentrale Prinzip: Der Roboter ist Katalysator, nicht Ersatz. „Wir vermitteln Maschinen durch Menschen, nicht umgekehrt”, betont das Team. Die sogenannten Musotainerinnen und Musotainer – die menschlichen Vermittlungspersönlichkeiten des Hauses – bleiben das eigentliche Herzstück. Der Roboter irritiert. Der Mensch erklärt.
Mehr unter: mai-tagung.lvr.de




