Gegenentwurf zur „Wilden Malerei“: Die erste Retrospektive von Urs Frei

Das Kunstmuseum St. Gallen würdigt den verstorbenen Schweizer Künstler Urs Frei mit einer umfassenden Werkschau. Fernab vom Mainstream der 80er-Jahre entwickelte Frei eine Bildsprache, die Ausstellungsarchitektur und banale Fundstücke zu Kunst erklärte.

Urs Frei (1958–2023) war ein Künstler der klaren Setzungen. In der ersten Retrospektive „A bis Z“ zeigt das Kunstmuseum St. Gallen nun das gesamte Spektrum seines Schaffens: von den analytischen Werken der späten 80er-Jahre über voluminöse, farbgewaltige Kissenobjekte bis hin zu seinen späten malerischen Erkundungen.

Architektur als Teil des Werks

Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung liegt auf Freis Verständnis von Raum und Infrastruktur. Kuratorische Wegbegleiter erinnern sich an seine kompromisslose Haltung: Stellwände betrachtete er nicht als neutrale Träger, sondern als integralen Teil seiner Arbeit. So duldete er etwa keine Fremdbespielung der Rückseiten seiner Wände – für ihn war die gesamte Architektur ein skulpturales Element.

Ein Gegenpol zur „Wilden Malerei“

In den 80er-Jahren, einer Zeit, die von der sogenannten „Wilden Malerei“ dominiert wurde, bildete Urs Frei einen markanten Gegenpol. Während viele Zeitgenossen auf expressive Gestik setzten, antwortete Frei mit einer teilweise extrem reduzierten, dann wieder überraschend bunten und üppigen Bildsprache. Er suchte die Reibung und fand sie oft im Alltäglichen.

Die Schönheit des Gefundenen

Wie radikal sein Ansatz war, zeigte sich oft in kleinen, intimen Ausstellungen, in denen er lediglich zusammengetragene Holzstücke präsentierte. Was damals für viele nicht „wie Kunst aussah“, überzeugt heute durch seine konsequente Verweigerung gegenüber klassischen Schönheitsidealen. In St. Gallen sind diese assemblageartigen Werke nun im Kontext seines Gesamtwerks zu erleben und unterstreichen seine Rolle als einer der eigenwilligsten Protagonisten der Schweizer Kunstszene.

Produktion: arttv.ch

Mehr unter: www.kunstmuseumsg.ch

Anzeige

Newsletter