Zwischen Spektakel und Zerstörung: Die Kunst des Feuers in der Österreichischen Nationalbibliothek

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Die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) präsentiert im Rahmen ihrer Reihe „Das besondere Objekt“ ein faszinierendes Dokument der Technikgeschichte: Das Werk „Praxis Artolloriae Pyrotechnicæ“. Das Handbuch aus der Privatbibliothek von Kaiser Franz I. gewährt Einblicke in eine Zeit, als die Grenze zwischen prachtvollem Feuerwerk und verheerender Kriegstechnik fließend war.

Explosivstoffe waren die High-Tech-Entwicklung der frühen Neuzeit. Ob zur Unterhaltung bei höfischen Festen oder als tödliche Waffe auf dem Schlachtfeld – das Wissen um die richtige Mischung von Schwarzpulver und Chemikalien war heiß begehrt. Die Österreichische Nationalbibliothek zeigt nun ein Werk, das diese „Feuerwerkskunst“ in ihrer ganzen Ambivalenz dokumentiert.

Ein Handbuch für „ernsthafte“ Feuerwerke

Der Titel des Werkes, „Praxis Artolloriae Pyrotechnicæ“, verspricht eine „vollkommene Anweisung zu Luft- und ernsthaften Feuerwerken“. Während wir heute bei Feuerwerk an Silvesterraketen denken, verbarg sich hinter dem Begriff „ernsthaft“ im Barock die militärische Anwendung. Die Autoren solcher Schriften waren oft hochspezialisierte Experten, doch der enorme Bedarf an Fachwissen rief auch weniger skrupellose Kopisten auf den Plan, die fremde Erkenntnisse kurzerhand „abkupferten“. Der Urheber des nun ausgestellten Prachtbandes bleibt dabei im Verborgenen.

Verheerende Technik: Die Sturmkugeln

Besonders eindrücklich sind die Illustrationen des Werkes. Sie zeigen unter anderem sogenannte „Sturmkugeln“. Dabei handelt es sich nicht um harmlose Leuchteffekte, sondern um Geschosse mit Sprengköpfen. Diese wurden bei Belagerungen von Städten und Befestigungen eingesetzt und entfalteten dort eine verheerende Wirkung. Das Buch verdeutlicht, wie eng technischer Fortschritt und militärische Zerstörungskraft in der frühen Neuzeit miteinander verwoben waren.

Ein kaiserliches Sammlerstück im Prunksaal

Dass dieses Exemplar den Weg in die Nationalbibliothek fand, ist kein Zufall. Es stammt aus der Privatbibliothek von Kaiser Franz I., der für seine umfassende Sammlung an wissenschaftlichen und technischen Werken bekannt war. Für Besucher bietet sich nun die seltene Gelegenheit, dieses historische Dokument im Original zu sehen.

Die Präsentation des Werkes findet vom 13. Januar bis zum 12. April 2026 im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek statt.

Mehr unter: www.onb.ac.at

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