Er nannte es „Nonsens-Design“ und schuf daraus eine neue Ära der Medienkunst: Das MUSEUM RITTER widmet dem Pionier Walter Giers (1937–2016) eine umfassende Werkschau. Unter dem Titel „Einfach machen!“ lädt die Ausstellung dazu ein, die passive Zuschauerrolle abzulegen und in den direkten Dialog mit Licht, Klang und Elektronik zu treten.
Walter Giers war ein Grenzgänger. Der gelernte Metallgraveur, Jazzmusiker und Industriedesigner kam als Autodidakt zur Kunst – und vielleicht war genau das sein Geheimnis. Unbelastet von akademischen Dogmen begann er Ende der 1960er-Jahre, elektronische Bauteile zweckfrei neu zu ordnen. Lautsprecher, Widerstände und bunte Leiterbahnen waren für ihn nicht nur technische Notwendigkeit, sondern ästhetische Gestaltungsmittel.
Vom „Spielobjekt“ zum Eigenleben
Ein entscheidender Wendepunkt in Giers’ Schaffen war das Jahr 1973, als er begann, Zufallsgeneratoren in seine Werke zu integrieren. Plötzlich waren seine Objekte nicht mehr nur statische Exponate, sondern entwickelten eine Art „Eigenleben“. Sie reagierten auf das Publikum, flackerten, tönten und traten in eine komplexe Wechselbeziehung mit dem Betrachter.
Interdisziplinäres Tüfteln: Die Facetten der Schau
Mit über 40 Exponaten aus vier Jahrzehnten zeigt das MUSEUM RITTER die enorme Bandbreite eines Künstlers, der lieber experimentierte als theoretisierte:
- Interaktive Kommunikation: Giers schuf „spielerische Kommunikationsinstrumente“, die den Seh-, Hör- und Tastsinn gleichermaßen herausfordern.
- Gesellschaftskritik & Natur: Hinter der glänzenden Oberfläche verbergen sich Themen wie Umweltzerstörung und Wahrnehmungsphänomene.
- Dadaistische Wurzeln: In seinen Werken schwingt oft ein humorvoller Unterton mit, der an dadaistische Lautpoesie erinnert.
„Einfach machen!“ – Eine Aufforderung an uns alle
Der Ausstellungstitel ist Programm: Giers verstand Kunst als einen Prozess des Ausprobierens. Das Publikum im MUSEUM RITTER darf – und soll – irritiert, amüsiert oder überrascht werden. Die interaktiven Plastiken und Installationen fordern uns auf, die Technologie nicht nur zu nutzen, sondern sie spielerisch zu begreifen.
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