Virginia Overton – „Material Girl“
Vom 5. September bis 9. November 2025 zeigt Beim Stadthaus in Winterthur eine Einzelausstellung der US-amerikanischen Künstlerin Virginia Overton. Unter dem Titel Material Girl entstehen vor Ort Arbeiten aus ausgedienten Materialien, die in Zusammenarbeit mit der Kunstgiesserei St. Gallen ausgewählt und verarbeitet werden.
Overton (*1971, Nashville) ist bekannt für ihre Skulpturen, die sie aus freigelegten Stahlträgern, alten Holzbalken, ausrangierten Fahrzeugteilen oder demontierten Reklameschriften zusammensetzt. Ihre großformatigen Strukturen, architektonischen Eingriffe und Wandobjekte folgen einer klaren Materialtreue – Gebrauchsspuren und ursprüngliche Funktionen bleiben sichtbar. Ein berühmtes Beispiel: ein umgebauter Kranwagen, der als Brunnenskulptur mit Wasserkreislauf fungiert.
Beeinflusst von der Minimal Art und der Post-Studio-Kunst arbeitet Overton stets mit Blick auf den konkreten Ausstellungsort. Ihre Praxis verbindet kunsthistorisches Bewusstsein mit einem reflektierten Blick auf ökologische, soziale und ökonomische Fragen. Nachhaltigkeit ist dabei zentral: Viele Skulpturen werden nach der Präsentation zerlegt und das Material wieder dem industriellen Kreislauf zugeführt.
Ihre „Do-it-yourself“-Strategie setzt auf pragmatische Lösungen – statt neue Materialien zu schaffen, entstehen neue Konstellationen aus organischen, synthetischen und mechanischen Komponenten. So formuliert Overton eine „Ästhetik der Sachlichkeit“, die zugleich poetische Aspekte von Proportion, Schwerkraft und Gleichgewicht einfängt. Die Werke bewegen sich zwischen Konstruktion und Dekonstruktion, zwischen Handwerk und Kunst, zwischen Funktion und Symbol.
Begleitend erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König eine Publikation zu den Entstehungsprozessen der Skulpturen mit Fotografien der Künstlerin sowie Essays und Installationsansichten.
Ausstellung: Virginia Overton in Winterthur – „Material Girl“
Zeitraum: 5. September – 9. November 2025
Ort: Beim Stadthaus, Kunst Museum Winterthur
Lorenza Longhi im Kunst Museum Winterthur – „How About Another Problem?“
Vom 5. September bis 9. November 2025 präsentiert das Kunst Museum Winterthur die Ausstellung How About Another Problem? der 14. Manor Kunstpreisträgerin des Kantons Zürich, Lorenza Longhi. Die in Zürich lebende Künstlerin ist für ihre präzise wie subversive Auseinandersetzung mit Konventionen in Kunst, Design und Konsumkultur bekannt.
Longhi (*1991 in Lecco, Italien) zeigt eine neue Serie von Siebdrucken, die zwischen Pop Art, Minimalismus und institutioneller Kritik oszillieren. In ihren Motiven tauchen abstrahierte Blumen auf, deren Blütenmitten von Kameralinsen durchbrochen werden – ein Bild für Überwachungskapitalismus und allgegenwärtige Konsumästhetik. Die Referenzen reichen von Andy Warhols ikonischen Blumenbildern bis zu Elaine Sturtevants kritischer Aneignungskunst.
Technisch kombiniert Longhi die industrielle Präzision des Siebdrucks mit bewusst gesetzten Unregelmäßigkeiten im Farbauftrag. Statt perfekter Oberflächen entstehen kleine Störungen, die den Wert von Originalität und Luxus im Kunstobjekt hinterfragen. Häufig arbeitet sie mit ungerahmtem Siebdruckgewebe als Schablone, um den Prozess sichtbar zu lassen.
Ihre Praxis ist geprägt von der „institutional critique“ der 1990er Jahre, verbunden mit zeitgenössischen Do-it-yourself-Strategien. Das zeigt sich etwa in ihren skulpturalen Rekonstruktionen von Designklassikern wie USM-Haller-Regalen, die zwischen Hommage und Persiflage schwanken und Fragen nach Geschmack, Status und gesellschaftlichen Monokulturen aufwerfen.
Mit dem Manor Kunstpreis erhält Longhi eine der wichtigsten Auszeichnungen für junge Schweizer Künstler*innen. Der seit 1982 vergebene Preis hat bereits zahlreichen Kunstschaffenden den Weg zu internationaler Sichtbarkeit eröffnet.
Ausstellung: Lorenza Longhi – How About Another Problem?
Zeitraum: 5. September – 9. November 2025
Ort: Beim Stadthaus, Kunst Museum Winterthur
Mehr unter: www.kmw.ch






